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Kosten beim ziehen der Notbremse?

Ich habe bedauerlicherweise an Weiberfastnacht im stark alkohlisierten Zustand die Notbremse in einem Regionalzug gezogen... An der Haltestelle an der ich aussteigen wollte, öffnete die Tür sich nicht, ich weiß es ist kein Grund die Notbremse zu ziehen( nur erklär das mal einem Alkoholisierten *ich Idiot* ) Zu der Situation: Der Zug wollte gerade losfahren, da habe ich die Notbremse gezogen, also im Anfahren des Zuges, da in meiner unmittelbaren Nähe, Personal der Bahn war, kamen diese sofort zu mir und ließen den Zug weiterfahren, danach nahmen die meine Personalien auf. So hat es mir ein Freund erzählt, der dabei war, ich kann mich leider nicht wirklich an etwas erinnern... nun meine eigentliche Frage, auf was für Kosten kann ich mich einstellen so circa? Und wann bekomme ich Bescheid von Ihnen?
Vielen Dank im Voraus!
Pierre

Mclovinbbb
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Antworten

Guten Abend Mclovinbbb,

die Kosten für die missbräuchliche Benutzung von Nothilfseinrichtungen wird Ihnen mit 200,- € in Rechnung gestellt. Es steht Ihnen frei dagegen vorzugehen wenn Sie der Meinung sind dass ein geringerer Schaden entstanden ist.

Gruß, Tino!

Leo
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"Warum keiner die Notbremse zog
Ein Bahnreisender hat auch immer zwei Sachen im Kopf: "Hoffentlich mache ich nichts falsch" und "Das Zugpersonal wird's schon wissen." Wenn die Strafandrohungsliste unter dem Notbremshebel länger ist als dieser selbst, wird der Passagier unsicher. Sogar der, an dessem Sitz vorbei der abgerissene Radreifen durch die Decke flog. Und 15 Sekunden Zögern sind schon ein ICE-Kilometer, ohne den Bremsweg"

Das ist dann im Ernstfall eher kontraproduktiv:

https://m.focus.de/panorama/welt/eschede-gedenken-schlamp...

1. Kommentar

sorry hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Bei Eschede war Gefahr im Verzug. Eine nicht öffnende Tür stellt definitiv keine Gefahr dar. Und von einer „Strafandrohungsliste“ habe ich noch nie etwas gehört. In meinem aktuellen Zug steht in deutlichen Worten „Notbremse - Mißbrauch strafbar“. Nicht mehr und nicht weniger.

kabo
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@Leo

So sehr ich Ihre Beiträge schätze - aber der Vergleich zwischen "alkoholisiert den Ausstiegbahnhof verpasst" und "101 Menschen bei Zugunglück gestorben" ist äußerst geschmack- und pietät-los.

Leo
Leo

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Notbremse ziehen kommt teuer! An der Notbremse steht in der Tat meist nur einfach „Mißbrauch strafbar!“ Daher zieht man sie lieber nicht – auch wenn es angebracht wäre.

Ich versuche es erst mal mit einem anderen Beispiel:

https://derstandard.at/1350260246558/Notbremsen-der-Wiene...

„ziehen Missbrauch von Notrufeinrichtungen für den Verursacher auch finanzielle Folgen mit sich: Die Gebühr für die unsachgemäße Betätigung des Zugstopps bzw. der Notrufeinrichtung beläuft sich laut Wiener Linien auf 93 Euro. Der Missbrauch sei zudem im Notzeichengesetz geregelt und wird zur Anzeige gebracht, hieß es in der Aussendung. … Die korrekte Benutzung der Sicherheitseinrichtungen kann Leben retten. Weil viele Fahrgäste jedoch Angst vor Bestrafung haben, würden die Einrichtungen oft nicht verwendet, so die Wiener Linien. "Mit dem Zugnotstopp können in die Station einfahrende Züge aufgehalten werden, bzw. geben dem Fahrer bei der Betätigung im Zug wichtige Hinweise auf eine Notsituation.“

Ein entsprechender Fall ist hier beschrieben:

http://www.krone.at/77017

„Während des Unglücks war der Mann von innen nicht zu übersehen - doch kein Fahrgast zog die Notbremse. … Augenzeugen für den Unfall gibt es viele. "Leider ist niemand auf die Idee gekommen, die Notbremse zu ziehen", so ein Polizist.““

Und was muss man in Deutschland fürchten? Z.B.:

https://www.merkur.de/lokales/regionen/geldstrafe-nach-no...

„Das Betätigen der Notbremse ... ohne zwingenden Grund kam einen Schongauer (23) teuer zu stehen. Er wurde vom Weilheimer Amtsrichter wegen Missbrauchs von Notrufen zu einer Geldstrafe von 1350 Euro verurteilt. Zudem muss er die Verfahrenskosten tragen und der Bahn den entstandenen Schaden ersetzen. ... weil kaum Reisende mitfuhren, erlitt niemand einen Schaden. Der unfreiwillige Stopp sorgte für Verspätungen. … Das Problem, so der Staatsanwalt, seien die sechs Vorstrafen des Angeklagten, davon eine offene Bewährung von fünf Monaten. In der Regel zieht das bei einer neuen Straftat eine Freiheitsstrafe nach sich. Das Gericht wollte aber den Lehrling dann doch nicht wegen des Betätigens der Notbremse ins Gefängnis schicken und beließ es im Urteil bei 90 Tagessätzen á 15 Euro Geldstrafe.“

https://dejure.org/gesetze/StGB/145.html

„(1) Wer absichtlich oder wissentlich
1. Notrufe oder Notzeichen mißbraucht oder ...
wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

Dagegen sind die 200€ der DB doch noch harmlos! Unter diesen Umständen wägt man natürlich sehr sorgfältig ab, ob man denn eine potentielle Straftat begehen und die Notbremse ziehen soll, wenn andere subjektiv betrachtet in Not zu sein scheinen – so auch im tragischsten Fall Eschede:

http://www.sueddeutsche.de/panorama/zehn-jahre-nach-dem-b...

Insbesondere S. 4:

http://www.sueddeutsche.de/panorama/zehn-jahre-nach-dem-b...

„10.57 Uhr. Rund sechs Kilometer vor Eschede bricht am ersten Waggon der Radreifen 1591. … Auch andere Reisende haben den Einschlag mitbekommen: Sie spüren, wie der Wagen 1 "hochhüpft" und der Zug schlingert, sie bekommen "Todesangst". Eine Achse ist gebrochen, glaubt ein Mann und schaut zur Notbremse. "Oh Gott, das geht nicht gut!", denkt die Apothekerin in Wagen 4. Man sieht einander entsetzt an, doch niemand steht auf und zieht die Bremse.
200 Stundenkilometer mit gebrochenem Rad
Im dritten Wagen findet Jörg Dittmann den Schaffner. Auch der hat einen "sehr starken Schlag" bemerkt, sich aber "noch nicht so ganz große Sorgen gemacht". Auch ihn beruhigt, dass der Zug in gewohntem Tempo weiterfährt. "Es ist etwas Schreckliches passiert!", ruft Jörg Dittmann dem 50-jährigen Zugbegleiter zu. "Was denn?", fragt dieser. - "Ich zeig's Ihnen." Herr Dittmann und der Schaffner laufen zurück in den ersten Waggon. ...10.59 Uhr. Kurz vor Eschede, anderthalb Minuten nach dem Reifenbruch, rutscht der defekte Radsatz an einer Weiche von der Schiene und prallt - 50 Meter weiter - gegen die nächste Weiche. Der Zug entgleist, 150 Meter vor einer Brücke am Ortsrand von Eschede.
Der Triebkopf sowie Wagen 1 und 2 passieren die Brücke ohne anzuschlagen. Wagen 3 reißt die rechten Brückenpfeiler weg. Die ersten drei Waggons rattern über den Schotter und kommen nach 300 Metern zum Stehen.“

Fazit: Das Unglück hätte 6 km bzw. 2 Minuten lang verhindert werden können – durch einfaches Ziehen der Notbremse! Diese Unterlassene Hilfeleistung wurde aber auch in diesem Extremfall nicht geahndet:
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ice-katastrophe-g...

Etwas nüchterner ist das Ganze hier dargestellt:
https://de.wikipedia.org/wiki/ICE-Unfall_von_Eschede
insbesondere:
https://de.wikipedia.org/wiki/ICE-Unfall_von_Eschede#Mens...
„Ein Fahrgast aus Wagen 1, in dem der abgesprungene Radreifen durch den Boden geschossen war, meldete den Vorfall zwar einem Zugbegleiter in Wagen 3, gab aber nur eine sehr ungenaue Schilderung ab. Sowohl der Zugbegleiter als auch der Fahrgast hätten das Unglück durch eine sofortige Betätigung der Notbremse verhindern können. Aus diesem Grund erstatteten Hinterbliebene gegen den Zugbegleiter Anzeige. Sein Handeln war aber vorschriftsgemäß, da er sich zuerst selbst vom Schaden überzeugen musste.[12]“ Also nur bei absoluter Sicherheit Notbremse ziehen!

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, Kabo, aber mir läuft an bestimmten Stellen im Bahnnetz immer ein Schauer über den Rücken, in Rüsselsheim, Brühl, Bad Aibling … und natürlich ganz besonders beim Passieren von Eschede. Ich frage mich oft: Hätte ich die Notbremse gezogen? Und Sie Kabo? Und wenn die Strafandrohung bei Mißbrauch (was Sie in hier maximal 2 Minuten allein, das Gericht hinterher in zig Sitzungstagen mit Hilfe von Gutachtern abwägen) nicht so drakonisch wäre? Dann evtl. doch?

Im Normalfall ziehen eher nur Betrunkene die Notbremse...