Frage beantwortet

Außergewöhnlich hohes Reisendenaufkommen, eine Mitfahrt kann nicht garantiert werden.?

Hallo,

bei meiner Verbindung, für die ich vor vielen Wochen ein Ticket gekauft habe, erscheint nun neuerdings der Hinweis "Außergewöhnlich hohes Reisendenaufkommen, eine Mitfahrt kann nicht garantiert werden. Bitte wählen Sie eine andere Verbindung".

Ich würde gerne wissen, was das zu bedeuten hat. Ich habe ein Ticket gekauft für diese Verbindung (zuggebunden) und ich gehe davon aus, dass man mir kein Leer-Ticket verkauft hat, sondern eines, mit dem ich auch fahren kann. Ich weiß aber von einem Bekannten, dass er schon einmal trotz gültigen Tickets vom Bahnpersonal aus dem Zug geworfen wurde. Ich halte das für illegal / Betrug. Die Bahn verkauf hier offensichtlich ungültige Tickets bzw. überbucht ihre Züge. Ich würde mich persönlich weigern, den Zug zu verlassen. Entweder fahren dann alle zusammen weiter, oder niemand.

Trotzdem würde ich das Problem lieber umgehen, als mich mit dem Bahnpersonal anzulegen. Kann mir jemand sagen, wie/wo ich mein Ticket zum vollen Preis umtauschen kann, also ohne die 17,50 Euro, die sonst berechnet werden?

Mit freundlichen Grüßen

catta
catta

catta

Ebene
0
43 / 100
Punkte
Die Antwort wurde von DB Bahn bestätigt
Tino Groß
Tino Groß

Tino Groß

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Nein die Zugbindung ist nicht aufgehoben und daher muss ich der Aussage von Euklid93 widersprechen. Nutzen Sie einen anderen Zug so zahlen Sie einen komplett neuen Fahrschein.

Fanden Sie diese Antwort hilfreich?

Nein (86)

Ja (1)

1%

1% der Personen fanden diese Antwort hilfreich

Weitere Antworten

Euklid93
Euklid93

Euklid93

Ebene
1
110 / 750
Punkte

Ehrlich gesagt würde ich einfach einen anderen Zug benutzen.

Tino Groß
Tino Groß

Tino Groß

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Nein die Zugbindung ist nicht aufgehoben und daher muss ich der Aussage von Euklid93 widersprechen. Nutzen Sie einen anderen Zug so zahlen Sie einen komplett neuen Fahrschein.

kabo
kabo

kabo

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

"Ich würde gerne wissen, was das zu bedeuten hat. "
-> Meistens bedeutet das, dass alle oder fast alle Plätze im Zug reserviert sind. Für Reisende ohne reservierten Sitzplatz wird es dann eng.

"Die Bahn verkauf hier offensichtlich ungültige Tickets bzw. überbucht ihre Züge."
-> Das Problem ist, dass man zwar die Anzahl der Spartickets begrenzen kann (also nicht mehr Spartickets verkauft, als ein Zug Plätze hat). Aber man weiß ja nicht, wie viele Leute mit flexiblen Tickets noch dazu kommen (z.B. Bahncard100, Monatskarten, Flexpreistickets). Es lässt sich also manchmal nicht vermeiden, dass mehr Reisende mit gültiger Fahrkarte vorhanden sind, als ein Zug Platz bietet.

"Ich würde mich persönlich weigern, den Zug zu verlassen. Entweder fahren dann alle zusammen weiter, oder niemand."
-> Normalerweise wird est freundlich gebeten, auszusteigen, dann wird mit Gutscheinen gelockt, und wenn das auch nicht reicht, kommt die Zwangsräumung durch die Bundespolizei. Da weigert man sich dann nicht mehr. Zumal das "wir fahren alle zusammen weiter" oft einfach nicht geht. Moderne Züge haben an den Achsen Gewichtssensoren. Und wenn das zulässige Gewicht überschritten ist, setzt sich der Zug nicht in Bewegung.

"Trotzdem würde ich das Problem lieber umgehen, als mich mit dem Bahnpersonal anzulegen. Kann mir jemand sagen, wie/wo ich mein Ticket zum vollen Preis umtauschen kann, also ohne die 17,50 Euro, die sonst berechnet werden?"
-> Zum vollen Preis werden Sie im Vorfeld nicht umtauschen können. Fahrgastrechte stehen Ihnen erst zur Verfügung, wenn der Zug Sie tatsächlich nicht mitnimmt.

Eigene Erfahrung: Trotz der Anzeige "Außergewöhnlich hohes Reisendenaufkommen" sind in den letzten Fällen, die ich miterlebt habe, trotzdem alle Reisenden mitgekommen, die mitkommen wollten. Für Reisende ohne Platzreservierung gab es nur Stehplätze - aber zurückbleiben musste niemand. Es wird auch bei der DB vieles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

catta
catta

catta

Ebene
0
43 / 100
Punkte

hallo kabo,

vielen Dank für die ausführliche Antwort! Ich weiß leider nicht, wie ich sie als "favorisierte Antwort" auswähle, aber vielleicht finde ich das noch raus.

"Für Reisende ohne reservierten Sitzplatz wird es dann eng."
Also ein versteckter Zwang zur Sitzplatz-Buchung. Ist ja mal was ganz neues.

"Es lässt sich also manchmal nicht vermeiden, dass mehr Reisende mit gültiger Fahrkarte vorhanden sind, als ein Zug Platz bietet."
Da stimme ich Ihnen, ehrlich gesagt, nicht zu. Natürlich ließe sich das vermeiden, wenn die Bahn ihr Verkaufsmodell entsprechend anpassen würde. Dann kann man den Zug mit einem FlexPreis- oder sonstigem Ticket eben nicht nutzen, Punkt. Es ist doch eine einfache Milchmädchen-Rechnung, dass man nicht einerseits Tickets mit Zugbindungen verkaufen und andererseits noch Menschen mit flexiblen Tickets aufnehmen kann, wenn der Zug bereits ausgebucht ist. Irgendwann ist der Zug eben voll, dann kann man auch keine Tickets mehr dafür verkaufen. Die Bahn verlagert das Problem, anstatt es zu lösen, hier auf ihre Kunden. Wenn ich ins Kino gehe, sagt mir dort auch niemand "Ups, das Kino ist jetzt plötzlich voll, Sie können aber gern in zwei Stunden nochmal wiederkommen." So läuft das halt einfach nicht - außer bei der Deutschen Bahn.
Dieselbe Rechnung betrifft die erzwungene Sitzplatzreservierung. Dann kann man eben nicht ALLE Sitzplätze reservieren lassen, wenn klar ist, dass noch weitere Fahrgäste OHNE Reservierung aufgenommen werden müssen. Man kann natürlich schon, wenn man weiß, dass im Zweifel die Bundespolizei das Problem für einen löst. Ziemlich gutes Modell um möglichst viel Geld auf Kosten der Fahrgäste zu machen.

"Fahrgastrechte stehen Ihnen erst zur Verfügung, wenn der Zug Sie tatsächlich nicht mitnimmt."
Das habe ich mir schon gedacht, ja. Danke.

"Eigene Erfahrung: ..."
Vielen Dank, die Einschätzung hilft mir schonmal. Nun werde ich sehen, ob ich das Risiko eingehe oder nicht. Wohlgemerkt ein Risiko, das es gar nicht geben sollte mit einem Ticket, für das ich bereits bezahlt habe.

Tino Groß
Tino Groß

Tino Groß

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Haben Sie vielleicht mal über den eigenen Tellerrand geschaut eibe Vielzahl der zahlenden Kunden sprechen sich für dieses offene System aus. Das bedeutet bis zum einem gewissen Grad (maximal zusätzlich 100% gemessen an der Anzahl der Sitzplätze) werden Fahrgäste auch stehend befördert und nehmen dies auch in Kauf. Wenn man ein geschlossenes System wie z. Bsp. in Frankreich einführt, würde man auf sehr viel widerstand stoßen. Daher bitte ich Sie auch diesen Faktor in ihre „Milchmädchenrechnung“ mit einfließen zu lassen.

Gruß, Tino!

Leo
Leo

Leo

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Den besten Kompromiss gibt es in Japan:

Meist gibt es im Shinkansen sowohl Wagen mit und solche ohne Reservierung, genau wie in herkömmlichen Zügen auch. Je nach Tageszeit und Streckenlänge sind 20% bis 80% NUR mit Reservierung zugänglich. Leute ohne Reservierung stellen sich in einer Reihe an der Einstiegsposition für einen Wagen ohne Reservierung an, wo der Zug dann bis auf 10cm genau anhält. So erhalten die ersten in der Reihe die freien Plätze, und nicht die Leute mit dem besten Augenmaß für die tatsächliche Halteposition und dem schnellsten Spurt dorthin. Die Schaffner sind sehr diskret und registrieren nur, ob der Platz gemäß ihres Plans eingenommen wurde. Sitzt man aber z.B. zum Fotografieren woanders,wird man gleich angesprochen. Ein nicht eingenommener Platz wird dann als frei zurück gemeldet. Wer also nur einen Platz zum Fotografieren des Fuji auf der falschen Seite reservieren könnte und sich erst in einen Wagen ohne Reservierung setzt, darf sich nicht wundern, dass jemand anders auf seinem ursprünglichen reservierten Platz sitzt.

Ausnahme ist der schnellste Shinkansen in Richtung Nordosten, Hayabusa nach demnächst Sapporo bis Morioka in Doppeltraktion mit dem Komachi, der nach Zugteilung auf einer auf Normalspur umgebauten Altbaustrecken nach Akita fährt: Hier sind alle Plätze reserviert - inklusive den zugelassenen Stehplätzen mit Zug- und Wagenbindung. (Glücklicherweise verschmähte wir direkt nach der Landung nach dem Nachtflug auf die angebotenen Stehplätze von Tokyo bis ShinHakodate Hokuto und wechselten von den noch im Komachi zu erhaltenden Sitzplätzen bei der Zugteilung in Morioka in den Hayabusa-Zugteil, in dem nun auch Plätze frei wären. Das nächste Mal werden wir wohl nicht gleich in den Norden durchstarten und erst 3Stunden vor Abfahrt reservieren oder online zumindest bis Shin-Aomori, weiter klappt es nur vor Ort.)

Sogar in Japan wird es an einem Freitag Recht voll und es klemmt. M.E. liegt es also daran, das ansonsten sehr viele Plätze angeboten werden. Genau das ist das Problem bei der DB mit öfters Mal fehlenden Zugteilen...

kabo
kabo

kabo

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

"Wenn ich ins Kino gehe, sagt mir dort auch niemand "Ups, das Kino ist jetzt plötzlich voll, Sie können aber gern in zwei Stunden nochmal wiederkommen." So läuft das halt einfach nicht - außer bei der Deutschen Bahn."
-> Im Kino gibt es eben keine flexiblen Tickets. D.h. Plätze werden nur von Leuten besetzt, die die konkrete Vorstellung gebucht haben.

Über das Für und Wider einer Reservierungspflicht kann man stundenlang diskutieren. In vielen europäischen Ländern sind Fernzüge reservierungspflichtig, Reisende ohne Reservierung dürfen nicht mitfahren - damit kann ein Zug nicht überfüllt werden. (Auch Reisende mit flexiblen Tickets müssen dann reservieren und zuggebundene Tickets werden nur zusammen mit einer Reservierung verkauft. Sobald alle Plätze reserviert sind, können weder zuggebundene Spartickets vekauft werden, noch können Inhaber von flexiblen Tickets reservieren und müssen draußen bleiben.)
Aber wenn Sie sich etwas durchs Internet klicken (auch durch diese Community), dann werden Sie feststellen, dass solche Verkaufsmodelle wie in Frankreich oder Schweden von deutschen Reisenden mehrheitlich negativ gesehen werden, eben weil spontane oder auf Flexibilität angewiesene Kunden in die Röhre schauen.
Bedenken Sie: Hauptkonkurrent der Bahn ist das flexible, nicht-reservierungspflichtige Auto (und nicht der Fernbus und auch nicht das Flugzeug). Ein unflexibles Verkaufssystem würde die Bahn gegenüber dem Auto weiter ins Hintertreffen bringen.

Leo
Leo

Leo

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

In Frankreich ist genauso wie beim Nordost-Shinkansen Hayabusa/ Komachi:

https://de.oui.sncf/de/hilfe-de/der-sitzplatz-im-zug

"Sitzplatz je nach Verfügbarkeit

Wenn alle Sitzplätze bereits reserviert sind, werden Ihnen Keine Sitzplatzreservierung vorgeschlagen. Auf Ihrem Bahnticket ist in diesem Fall die Wagennummer und der Hinweis "sans place attribuée" (Keine Sitzplatzreservierung) aufgeführt.


Um unseren hohen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, wird nur eine begrenzte Anzahl anKeine Sitzplatzreservierung angeboten. Wenden Sie sich beim Einsteigen an den Schaffner, er wird Ihnen gerne helfen, Ihren Platz zu finden."

Das sind dann aber keine 100%...

Lena12
Lena12

Lena12

Ebene
1
106 / 750
Punkte

Ich muss den Fragesteller recht geben. Die Bahn gibt zugungebundende Tickets ohne reservieren raus, diese sind oft so frühgebucht das keine Warnung wegen Überbuchung erscheint. Dann reservieren Sie ausnahmslos jeden Sitzplatz. (schon erlebt) das ist für mich wie im Flugzeug - Überbucht. Dann holen Sie mit Pech die Leute raus die zuggebundenende Fahrschein haben ohne Reservierung. Das hat mit flexibel Reisenden nichts zu tun. Das ist klar Überbucht.