Frage beantwortet

Fragen zu Beförderungsbedingungen und Ansprüchen

Hallo DB Team,

ich hätte ein paar Fragen, die sich mir aus den DB Beförderungsbedingungen bzw. der EVO nicht erschließen.

1. Sofern Tickets die „Mitnahme einer Person“ bzw. bis zu 3 eigenen Kindern/Enkelkindern zu bestimmten Zeiten gewähren, ergibt sich für mich kein notwendiges Bekanntschaftsverhältnis bzgl. der mitgenommenen Person. Es könnte also erst einmal auch ein Fremder sein, da nichts anderes bestimmt ist. Sofern ich also vor Fahrtantritt mit dieser besagten Person eine Abmachung träfe, könnte ich sie also mitnehmen, ohne dass man sich gegenseitig kennen müsste?
2. Die angebotene Mobilitätsgarantie, greift nach 20 Minuten Verspätung. Fahrgäste des Nahverkehrs können dann auch IC/EC und ICE nutzen, sofern keine andere Möglichkeit besteht.
Hierzu sagt die EVO dass der Reisende die Benutzung des anderen Zuges jedoch nicht verlangen kann, wenn für diesen eine Reservierungspflicht besteht oder der Zug eine Sonderfahrt durchführt. Woher weiß ich genau ob eine Reservierungspflicht besteht?
Weiter gewährt die DB den Reisenden keine Mobilitätsgarantie für Fälle der Unpünktlichkeit, welche nicht auf betriebseigene Umstände zurückzuführen sind. Woher weiß ich, wann genau es sich um solche Umstände handelt, vor allem wenn die Durchsage diesbezüglich nichts aussagt? Bedeutet bspw. schlechtes Wetter für den Reisenden automatisch dass die Pünktlichkeit durch die Mobilitätsgarantie nicht gewährt wird? Für den Fall dass es sich bei der Verspätung um betriebseigene Umstände handelt, reicht die eingetragene Verspätung in der DB App als Beweis für eine gültige Mobilitätsgarantie bei einem Kontrolleur?
3. In meiner Karriere als Bahnreisender ist es schon des öfteren vorgekommen, dass auf Grund von Ausfällen, Bauarbeiten oder sonstigen Umständen bestimmte Züge in der 2. Klasse derart überfüllt waren, dass gar über die Möglichkeiten eines Stehplatzes hinaus ein Mitfahren fast unmöglich war und Reisende bspw. sogar in Balanceakten die Treppe eines Regionalexpresses nutzten um sich dort hinzustellen, gleichzeitig aber die Sitzplätze der 1. Klasse nahezu unbesetzt waren und der Regionalexpress auch unverhältnismäßig viele Abteile der 1. Klasse hatte. Die EVA sagt hier, dass bei Platzmangel in der 2. Klasse kein Anspruch auf Unterbringung in der 1. Klasse besteht. Wie sieht es mit dem Anspruch aus, wenn die Reisenden in der 2. Klasse derart zusammengepfercht sind, dass bei Bremsungen nicht mehr gewährleistet werden kann, dass jeder Reisende eine Möglichkeit hat, sich festzuhalten und schlicht auf den Umstand des Zufalls vertrauen muss, damit er bei einer unvorhergesehenen Bremsung nicht stürzt und sich oder gar andere dabei verletzt?
4. Weiter ist bei vielen Tickets zusätzlich ein Lichtbildausweis von Nöten, die Bestimmungen sagen bzgl. des Lichtbildausweises hier gezielt nichts von einem aushändigen, sondern lediglich einem vorzeigen, wohingegen das Ticket an sich ausgehändigt werden sollte. Also kann man als Bürger grundsätzlich darauf vertrauen, dass ein DB Kontrolleur sich auch nicht einfach den Ausweis an sich nimmt, um ihn mit dem Ticket abzugleichen?

Ich danke schon mal im Voraus für Ihre Zeit! Die Antwort hat keine Eile..

Gerwin
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ThomasDenkel
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Sie wenden sich zwar mit Ihrer Frage an das DB-Team, dennoch erlaube ich mir, da dies hier ja ein Forum zum Austausch unter Bahnkunden ist, meine Ansichten aus Kundensicht zu Ihren durchaus interessanten Fragen zu schreiben. Das DB-Team kann diese ja dann nötigenfalls gerne ergänzen und/oder ggf. korrigieren:

Zu 1) Diesbezüglich würde ich die Bestimmungen zum jeweiligen Angebot, von denen es ja zahlreiche gibt und die je nach Bundesland, Region und/oder Verkehrsverbund unterschiedlich geregelt sein können, genauestens durchlesen und im Zweifel direkt dazu nachfragen. Eine allgemeingültige Aussage ist dazu m. E. nicht möglich.

Zu 2) Mit Mobilitätsgarantie meinen Sie hier vermutlich die Fahrgastrechte im Eisenbahnverkehr (https://www.bahn.de/p/view/service/auskunft/fahrgastrecht...).
Mit einem Nahverkehrsticket haben Sie zwar die Möglichkeit, unter der von Ihnen genannten Voraussetzung auf den Fernverkehr (ICE, IC/EC) auszuweichen, müssen den Preisunterschied aber zunächst bezahlen und dann beim Servicecenter Fahrgastrechte zur Erstattung einreichen. Dies gilt aber auch nur in Verbindung mit regulären Nahverkehrs-Tickets zum DB-Tarif der Produktklasse C und nicht für stark ermäßigte Tickets wie z. B. Länder-/Regiotickets, Schönes-Wochenende- oder Quer-durchs-Land-Ticket.
Züge mit Reservierungspflicht gibt es aktuell im innerdeutschen Verkehr, mit Ausnahme des Nachtverkehrs, keine - dies ist mehr im Ausland (z. B. alle Fernzüge in Italien und Frankreich) relevant und solche sind im Fahrplan entsprechend gekennzeichnet. Sonderfahrten stehen nicht im Fahrplan und werden am Bahnsteig in der Regel auch als solche in den Zugzielanzeigern angegeben und in den Durchsagen darauf hingewiesen, damit niemand aus Versehen einsteigt.
Gerade bei Unwettern hat sich die DB in der jüngsten Vergangenheit (ich denke da an die beiden schweren Herbststürme Xavier und Herwart) sehr kulant gezeigt und ihren Kunden sogar noch über die Fahrgastrechte hinaus Angebote für die flexible Weiterreise und/oder Stornierung gemacht. Allerdings ist diesbezüglich schon eine Gesetzesänderung angedacht, welche die Fahrgastrechte zu Gunsten der Eisenbahn-Verkehrsunternehmen in solchen Fällen "höherer Gewalt" zu beschneiden gedenkt - aber noch ist da nichts raus.
Bezüglich der Weiterbeförderung, ggf. mit anderen als den gebuchten Zügen, würde ich mir bezüglich der Verspätungsursache keine Sorgen machen. Strittig wird es eher, wenn eine Verspätungsentschädigung, die Weiterbeförderung mit einem anderen Verkehrsmittel (z. B. Taxi, Leihwagen) oder die Bezahlung einer Hotelrechnung gefordert wird.
Zunächst reicht für den Fahrgast jedenfalls eine DB-seitige Info aus, welche vernünftigerweise darauf schließen lässt, daß das Reiseziel (z. B. durch Anschlußverlust am Umsteigebahnhof) mit >/= 20 Minuten Verspätung erreicht wird. Ein Ausdruck oder Screenshot als Beweis kann hilfreich sein und Diskussionen vermeiden helfen.

Zu 3) Ich bin grundsätzlich sehr dafür, daß die 1. Klasse nicht einfach von stehenden Fahrgästen der 2. Klasse eingenommen werden darf. Es wäre sonst nämlich jeder dumm, der sich vor Reiseantritt eine 1.-Klasse-Fahrkarte kauft, die ja in der Regel deutlich teurer ist. Wenn die 2. Klasse voll ist, ist sie eben voll und ein Zustieg bzw. die Mitnahme weiterer Fahrgäste dann nicht mehr möglich. Wer eine solche Verbindung regelmäßig nutzt, sollte sich entweder dann für die Fahrt 1. Klasse gegen Kauf eines entsprechenden Tickets entscheiden oder eine alternative Verbindung in Erwägung ziehen. Über Ausnahmen darf das Zugpersonal meines Wissens auch nur nach Rücksprache mit der Betriebsleitung entscheiden, wofür es einen triftigen Grund braucht, der wohl im Bereich des Bahnverschuldens liegen muss - z. B. wenn der Zug wegen Ausfall eines Wagens / Zugteils kürzer als planmäßig verkehrt oder betriebliche Umstände zu erhöhtem Fahrgastaufkommen auf einem bestimmten Zug führen.

Zu 4) Wenn ich einem Kontrolleur meinen Ausweis nicht aushändigen möchte, dann sage ich ihm/ihr das einfach - wüsste aber andererseits spontan nicht, warum. Um das Vorzeigen wird man allerdings nicht herum kommen, diese Notwendigkeit wird einem ja im Rahmen der Buchung schon mitgeteilt. Ich denke, daß nur Polizei- und Zollbeamte das Recht haben, sich den Ausweis aushändigen zu lassen.

Beste Grüße und hoffentlich überwiegend angenehme Bahnreisen!

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Zu 1) Diesbezüglich würde ich die Bestimmungen zum jeweiligen Angebot, von denen es ja zahlreiche gibt und die je nach Bundesland, Region und/oder Verkehrsverbund unterschiedlich geregelt sein können, genauestens durchlesen und im Zweifel direkt dazu nachfragen. Eine allgemeingültige Aussage ist dazu m. E. nicht möglich.

Zu 2) Mit Mobilitätsgarantie meinen Sie hier vermutlich die Fahrgastrechte im Eisenbahnverkehr (https://www.bahn.de/p/view/service/auskunft/fahrgastrecht...).
Mit einem Nahverkehrsticket haben Sie zwar die Möglichkeit, unter der von Ihnen genannten Voraussetzung auf den Fernverkehr (ICE, IC/EC) auszuweichen, müssen den Preisunterschied aber zunächst bezahlen und dann beim Servicecenter Fahrgastrechte zur Erstattung einreichen. Dies gilt aber auch nur in Verbindung mit regulären Nahverkehrs-Tickets zum DB-Tarif der Produktklasse C und nicht für stark ermäßigte Tickets wie z. B. Länder-/Regiotickets, Schönes-Wochenende- oder Quer-durchs-Land-Ticket.
Züge mit Reservierungspflicht gibt es aktuell im innerdeutschen Verkehr, mit Ausnahme des Nachtverkehrs, keine - dies ist mehr im Ausland (z. B. alle Fernzüge in Italien und Frankreich) relevant und solche sind im Fahrplan entsprechend gekennzeichnet. Sonderfahrten stehen nicht im Fahrplan und werden am Bahnsteig in der Regel auch als solche in den Zugzielanzeigern angegeben und in den Durchsagen darauf hingewiesen, damit niemand aus Versehen einsteigt.
Gerade bei Unwettern hat sich die DB in der jüngsten Vergangenheit (ich denke da an die beiden schweren Herbststürme Xavier und Herwart) sehr kulant gezeigt und ihren Kunden sogar noch über die Fahrgastrechte hinaus Angebote für die flexible Weiterreise und/oder Stornierung gemacht. Allerdings ist diesbezüglich schon eine Gesetzesänderung angedacht, welche die Fahrgastrechte zu Gunsten der Eisenbahn-Verkehrsunternehmen in solchen Fällen "höherer Gewalt" zu beschneiden gedenkt - aber noch ist da nichts raus.
Bezüglich der Weiterbeförderung, ggf. mit anderen als den gebuchten Zügen, würde ich mir bezüglich der Verspätungsursache keine Sorgen machen. Strittig wird es eher, wenn eine Verspätungsentschädigung, die Weiterbeförderung mit einem anderen Verkehrsmittel (z. B. Taxi, Leihwagen) oder die Bezahlung einer Hotelrechnung gefordert wird.
Zunächst reicht für den Fahrgast jedenfalls eine DB-seitige Info aus, welche vernünftigerweise darauf schließen lässt, daß das Reiseziel (z. B. durch Anschlußverlust am Umsteigebahnhof) mit >/= 20 Minuten Verspätung erreicht wird. Ein Ausdruck oder Screenshot als Beweis kann hilfreich sein und Diskussionen vermeiden helfen.

Zu 3) Ich bin grundsätzlich sehr dafür, daß die 1. Klasse nicht einfach von stehenden Fahrgästen der 2. Klasse eingenommen werden darf. Es wäre sonst nämlich jeder dumm, der sich vor Reiseantritt eine 1.-Klasse-Fahrkarte kauft, die ja in der Regel deutlich teurer ist. Wenn die 2. Klasse voll ist, ist sie eben voll und ein Zustieg bzw. die Mitnahme weiterer Fahrgäste dann nicht mehr möglich. Wer eine solche Verbindung regelmäßig nutzt, sollte sich entweder dann für die Fahrt 1. Klasse gegen Kauf eines entsprechenden Tickets entscheiden oder eine alternative Verbindung in Erwägung ziehen. Über Ausnahmen darf das Zugpersonal meines Wissens auch nur nach Rücksprache mit der Betriebsleitung entscheiden, wofür es einen triftigen Grund braucht, der wohl im Bereich des Bahnverschuldens liegen muss - z. B. wenn der Zug wegen Ausfall eines Wagens / Zugteils kürzer als planmäßig verkehrt oder betriebliche Umstände zu erhöhtem Fahrgastaufkommen auf einem bestimmten Zug führen.

Zu 4) Wenn ich einem Kontrolleur meinen Ausweis nicht aushändigen möchte, dann sage ich ihm/ihr das einfach - wüsste aber andererseits spontan nicht, warum. Um das Vorzeigen wird man allerdings nicht herum kommen, diese Notwendigkeit wird einem ja im Rahmen der Buchung schon mitgeteilt. Ich denke, daß nur Polizei- und Zollbeamte das Recht haben, sich den Ausweis aushändigen zu lassen.

Beste Grüße und hoffentlich überwiegend angenehme Bahnreisen!

Zu erstens: korrekt, genau dafür wurde sogar die Mitfahrer App eingeführt.

Ausnahmen regelt das Ticket selbst. Unter eigenen Kinder versteht man in der Regel, dass es die eigenen Kinder sind ;)

Zu zweitens: Der Zugbegleiter kann sehen wann und wo ein Zug wieso Verspätung hatte. Und selbst wenn nicht wird er, so lange es kein offensichtlicher Betrug ist, auch nicht viel Zeit in die Recherche stecken. Ehrlichkeit und Freundlichkeit wird in der Regel mit Vertrauen belohnt, zumindest ist das meine Erfahrung.

Zu drittens: Wen Sie 1. Klasse fahren wollen, müssen Sie 1. Klasse kaufen. Ob die leer ist oder nicht, spielt für den 2. Klasse Kunden keine Rolle. Gerade das ist ja oft der Vorteil der 1. Klasse. Wer würde sich ein 1. Klasse Ticket kaufen wenn diese dann voll wäre und das dann zusätzlich noch mit Kunden die weniger bezahlt haben.

Wenn kein Platz mehr im Zug ist, kann die Mitnahme nicht garantiert werden. Der Zugbegleiter muss in solchen Fällen dafür sorgen das Fahrgäste den Zug wieder verlassen.

Bei einem ICE/IC sind das Personen ohne Reservierung, bei einem Regionalzug wird öfters ein Auge zugedrückt weil die Kunden lieber eingepfercht sind als garnicht mit zu fahren.

Aber umso mehr sich Kunden beschweren, und vor allem wenn Kunden rechtliche Schritte erwägen aus Sicherheitsgründen, umso seltener wird ein Auge zugedrückt. Dann heißt es auf den nächsten warten.

Zu viertens: Davon ist aufgrund von natürlichem menschlichen Verhalten auszugehen.

Die Kontrolleure tragen keine Operngläser oder Lupen bei sich und selbst wenn, würde es den ganzen Vorgang nur unnötig verlangsamen.

Und da es Gang und gebe ist und bei Millionen Kunden problemlos klappt, wäre es auch ziemlich albern den Kontrolleur sich zu einem runter Bücken zu lassen nur damit er nicht den Ausweis in seinen Händen hält.