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Welche Regel verbietet den DB-Tarif (Produktklasse C) innerhalb von Verbünden?

Es ist allgemein bekannt, dass für Verbindungen, dessen Start und Ziel innerhalb eines Verbundes liegen, von der DB keine Fahrkarten der Produktklasse C verkauft werden. Ein entsprechender Passus findet sich auch in den Beförderungsbedingungen der DB. Rein technisch scheint es offenbar jedoch durchaus möglich zu sein, in DB-interner Vertriebssoftware solche Fahrkarten auszustellen. Das Personal tut dies manchmal "einfach so", völlig kommentarlos; manchmal wird zwar darauf hingewiesen, dass man dies eigentlich nicht darf, aber ausnahmsweise dennoch macht und wieder andere sagen, dass es gar nicht möglich wäre. Meine Frage ist nun: Wo genau (Gesetz, Vertrag, etc.) ist eigentlich verbindlich geregelt, dass die DB solche FK tatsächlich nicht verkaufen *darf*? Und ferner, gibt es eine Anweisung für die Mitarbeiter im Vertrieb, diese nur in Ausnahmefällen (wenn ja, welche?) bzw. gar nicht zu verkaufen? Der zweite "Teil" der Frage wäre dann, ob eine solche Fahrkarte dann ggf. überhaupt gültig ist. Und drittens noch: Das Verkaufssystem ist zweifelsfrei in der Lage, diese Verbindungen zu erkennen, denn auf bahn.de werden diese - mit dem Hinweis, dass es sich um eine reine Verbundrelation handelt - nicht bepreist. Weshalb ist es dann dennoch überhaupt möglich, im personenbedienten Verkauf solche Fahrkarten auszustellen?

WurstCase
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ThomasDenkel
ThomasDenkel

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Dies wird in den Verträgen mit den Verkehrsverbünden geregelt, die in ihrem jeweiligen Gebiet die Tarifhoheit und somit den Anspruch auf die Fahrgelderlöse haben. Nicht nur die DB, auch kein anderes Verkehrsunternehmen im jeweiligen Verbund gibt für Fahrten innerhalb des Verbundraums Tickets nach eigenem Tarif aus.

Einzige Ausnahme: Sie haben haben z. B. ein Ticket von Hamburg nach München und möchten nun kurzentschlossen Ihre Fahrt noch mit der S- bzw. Regional-Bahn innerhalb des Münchner Verkehrsverbunds (MVV) bspw. nach Starnberg fortsetzen. In diesem Fall kann man Ihnen im Zug auf dem Weg nach München oder am DB-Schalter ein Ticket der Produktklasse C als Anschlußticket von München nach Starnberg ausstellen, welches aber nur zusammen mit der vorhergehenden, bis München ausgestellten Fahrkarte gültig ist. Das ginge natürlich auch umgekehrt, wenn Sie bereits ein Ticket ab München zu einem Ziel außerhalb des MVV haben und noch eine Zubringerfahrkarte wünschen.

Ich denke, daß dies in der Praxis recht selten vorkommt, daher manche DB-Mitarbeiter damit überfordert sind und somit entweder die Ausgabe eines solchen Tickets verweigern, das Bestehen dieser Möglichkeit bestreiten oder aber Ausstellen in Fällen, wo sie das eigentlich gar nicht tun dürften - also ohne Vorlage einer in den Verbund ein- oder ausbrechenden Fahrkarte im direkten Anschluß.

Guten Tag WurstCase, Sie haben ja schon einige wichtige Informationen von ThomasDenkel erhalten.

Alle Verkehrsverbünde unterhalten eigene Reiseauskunftsmedien und Informationen zu Verbundfahrkarten auf ihren Websites. Zudem lassen sich die vielfältigen Sonderbedingungen und Übergangsregelungen mehrerer Verkehrsverbünde nicht in der Reiseauskunft auf bahn.de abbilden.

In den Verkehrsverträgen mit den Verkehrsverbünden werden Vertriebswege mit den beteiligten Eisenbahnverkehrsunternehmen vereinbart. Einige Verkehrsverbünde bieten daher eigene HandyTickets für ihre Nahverkehrsmittel an.

Persönliche und individuelle - auch vertriebskanalübergreifende - Kundenberatung sowie umfassendes Leistungsangebot ist Qualitätsstandard der Reisezentren. /gu

Leo
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Ich wohne in der größten Gemeinde eines Landkreises, der NICHT zum Gebiet des MVV gehört. Trotzdem gibt es nach München NUR Verkehrsverbund-Fahrkarten!

1. Wer hat das selbstherrlich festgelegt? Unser Landkreis ist KEIN MVV-Gesellschafter!
2. Wieso kann man allgemein (auch in anderen Verbünden) nicht auf Wunsch ermäßigte DB-Karten mit Bahncard-Rabatt kaufen - so wie in Österreich nach Wunsch ÖBB-Karten mit Vorteilscard-Rabatt?

Als ich noch täglich zur Arbeit nach München fuhr, waren mir die im Verbund eher günstigeren Zeitkartentarife ja durchaus recht. Aber jetzt fahre ich statt mit extrem teuren Verbund-Tageskarten meist woanders hin - oder mit dem Auto wenn es unbedingt München sein muss.

"daher manche DB-Mitarbeiter damit überfordert sind und somit entweder die Ausgabe eines solchen Tickets verweigern, das Bestehen dieser Möglichkeit bestreiten"

Früher buchte ich oft Anschlußkarten zu Nachtzügen oder zur Bahncard100 (z.B. Basel Bad - Basel SBB im TNW). diese waren am Ort oder in der Nähe des jeweiligen Verbundes praktisch NIE erhältlich - sondern nur möglichst weit weg.

Leo, können Sie hier etwas ausführlicher werden, welche Gemeinde oder Einstiegsbahnhof Sie meinen? Ihre zweite Frage lässt sich eindeutig beantworten, dass im Nahverkehr der Verbundtarif bestimmend ist, wenn zum Beispiel wir in deren Auftrag unterwegs sind. Wir können hier nicht so einfach unseren Haustarif anbieten. Wenn der Verkehrsverbund keine BahnCard-Ermäßigung auf deren Verbundtarife genehmigt, dann ist dem leider so. /ch

Leo
Leo

Leo

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ich wohne in Holzkirchen im Landkreis Miesbach, der NICHT dem MVV beigetreten ist.

Trotzdem werden zwischen Holzkirchen und München nur MVV-Karten verkauft. Im Landkreis Miesbach gelten sie NUR im Schienenverkehr (München - Sauerlach - ) Landkreisgrenze München/Miesbach - Otterfing - Holzkirchen. ALLE Buslinien im Landkreis, gehören selbstverständlich NICHT zum MVV. Sogar für die 1,5 km vom Bahnhof muss man extra zahlen oder laufen...

Gegenbeispiel Österreich:

Kufstein - Innsbruck kostet gemäß

https://tickets.oebb.at/de/ticket

14€, das ist Verbundtarif des VVT:

http://fahrplan.vvt.at

Gibt man bei der ÖBB als Ermäßigung "Vorteilscard" an, so werden nur 8,20€ berechnet, das sind 50% des normalen Preises gemäß ÖBB-Tarif.

normal ohne Vorteilscard

Von und nach Holzkirchen fährt die S 3 innerhalb des MVV-Außenraums. Da ich nicht vermuten möchte, erkundigen Sie sich bitte direkt beim Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV), wie die Hintergrundgeschichte dazu ist, dass der Schienenpersonennahverkehr in Holzkirchen zum MVV-Tarifbereich gehört. /ch

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@Leo
Es gibt Übergangsbereiche zwischen den Verkehrsverbünden, wo dann eben einer der beiden Verbünde zuständig ist, je nach dem welche Strecke man genau fährt. Das Reisen in diese Gebiete ist leider dann etwas unübersichtlicher, da hier nicht sofort klar ist, wer zuständig ist, bzw. warum bestimmte Leistungen nicht verfügbar sind. Ich kenne das ebenfalls zwischen dem RMV und VRN, wo ich z.B. ausschließlich Tickets des RMV kaufen kann, aber diese nicht als online-Ticket verfügbar sind, vermutlich weil der VRN diese nicht scannen kann.

Solange es regional unterschiedliche Verbünde gibt, fürchte ich, wird sich daran nichts ändern, denn irgendwo gibt es immer Grenzen zwischen den Zuständigkeiten.

Gegenüber von früher gibt es heute aber deutlich weniger Grenzen, da sich z.T. lokale Verbünde zu größeren überregionalen zusammengeschlossen haben (z.B. der RMV, der den Großteil von Mittel und Südhessen abdeckt), die dann ein einheitliches Tarifsystem anbieten. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich für eine Fahrt zu meiner Oma drei Tickets (6 mit Rückfahrt) kaufen musste, heute reicht eins (Tageskarte), welches den Verbund meines lokalen VV, den DB-Anteil, sowie den lokalen Verbund im Wohnort meiner Oma abdeckt.

Wenn man diese überregionalen Verbünde überquert, gibt es dann aber doch wieder Grenzen. D.h. solange sich nicht alle Verbünde zu einem globalen „Deutschland“-Verbund zusammenschließen wird man wohl mit solchen Nahtstellen zwischen den Verbünden leben müssen, wo es für die Reisenden dann komplizierter und unbequemer ist, als innerhalb der Verbünde.

ThomasDenkel
ThomasDenkel

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@Leo | Wobei Holzkirchen ja diesbezüglich noch recht komfortabel ist. Als BC-Inhaber würde ich meine Fahrkarte nach München einfach ab Warngau lösen. Bis M-Hbf mit BC25 = 7,70 / BC50 = 5,15 € statt MVV = 8,40 €. Damit können Sie ab Holzkirchen wahlweise die BOB oder die S-Bahn nutzen.

Der DB-Tarif (PK-C ab 10.12.17) für diese Strecke von 37 km wäre wohl 9,30 €, also 6,95 € mit BC25 / 4,65 € mit BC50.

Ich denke zwar, daß Sie das eh wissen, wollte es aber mal für andere Interessierte darstellen. Wer am Rand eines Verkehrsverbunds wohnt, hat mit diesem "Trick" evt. einen Vorteil, wenn er/sie ab/zum ersten Bahnhof außerhalb des Verbunds zum DB-Tarif bucht und dann die BC-Ermäßigung erhält.

Leo
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Mit Bahncard 50 habe ich das in der Tat gemacht:
Mein Favorit für einen Tagesausflug war aber die "einfache" Fahrt von Warngau nach Holzkirchen über Taufkirchen und München Marienplatz zu 8,15€ mit Bahncard50, Preis 2018.

Vor Jahren kaufte ich Mal eine "einfache" Fahrt von Düsseldorf Flughafen nach Düsseldorf Bilk über Duisburg, mit Fernzugriff zwischen Düsseldorf Flughafen und Duisburg, das war mitten im teuren VRR.

Mit Bahncard25 lohnt sich so etwas nicht mehr, erst Recht wenn man zu zweit unterwegs ist. Die letzte unvermeidliche Fahrt nach München erfolgte daher im Auto zu 10 Cent pro km... Das Auto ist zwar schon fast 13 Jahre alt und hat eine ehrliche grüne Plakette, und da die Politik sich bzgl. Diesel offenbar nicht entscheiden kann wird es im Frühjahr doch noch Mal den TÜV sehen...

Auch zum ermäßigten Preis war die Bahncard 50 ein Fehlkauf, trotz häufiger einfacher Reisen nach Österreich als ich eine Österreichcard hatte.

In Tirol gibt es eine JAHRESKARTE für ganz Tirol zu 250€ ab 62, sonst zu ca. 400€; wenn ich da wohnte, führe ich kaum mit dem Auto...