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Warum bietet der neue ICE Berlin-München so ungünstige Umsteigeverbindungen?

Schön, dass der ICE Berlin-München jetzt nur noch 4h30 min braucht. Sehr ärgerlich ist aber, dass zumindest Reisen in das Einzuggebiet der BOB-Bahn - also in die Urlaubsorte der Alpen - ein Großteil der eingesparten Zeit dafür drauf geht, dass der ICE genau 2 Minuten vor der Abfahrt der BOB-Züge ankommt - und man daher jetzt fast eine Stunde warten muss, weil man in der kurzen Zeit in München nicht umsteigen kann. Warum kommt es zu solch unpraktischen Fahrplänen?

MichaelFink
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Leo
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Weil man sich im Gegensatz zur Schweiz

https://de.wikipedia.org/wiki/Taktfahrplan#Realisierung_i...

nur darauf konzentriert, möglichst schnell von A nach B zu rasen, ohne Rücksicht auf die Anschlüsse.

Manchmal hat man Glück, oft aber Pech...

Und wenn man 2 mal umsteigen muss, ist der Zeitvorteil gegenüber dem Auto dann ganz schnell dahin, sofern man nicht gerade von Großstadt zu Großstadt unterwegs ist.

Also bitte noch etwas Geduld bis nach 2030, Zitat aus dem Wikipedia-Artikel:

"Unter dem Titel Zielfahrplan 2030plus lässt das Bundesverkehrsministerium seit April 2016, bis Ende 2017, einen modellhaften Fahrplan für das gesamte Netz erarbeiten. Darin soll das gesamte Fern- und Regionalverkehrsnetz des Personenverkehrs sowie Systemtrassen für den Güterverkehr enthalten sein.[24] Aufbauend auf dem Zielnetz des Bundesverkehrswegeplans 2030 sollen weitere Infrastrukturmaßnahmen ausgewählt werden, um einen günstigen Fahrplan zu erreichen.[23]"

DB
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Team

Guten Abend MichaelFink und Leo, es wird schon darauf geachtet, dass auch möglichst andere Anschlüsse erreichbar sind. Jedoch muss man halt bedenken, dass auf dieser Strecke ja nicht nur ein Anschluss erreicht werden muss. Bei jedem Halt wird es auch einen Anschluss geben, der gerne erreicht werden möchte. Und leider ist es auch nicht immer möglich, alle Anschlüsse perfekt aufeinander abzustimmen. Schnelligkeit alleine ist nicht alles. Hinzu kommt, dass auch die Zubringer möglichst einen zeitnahen Anschluss bieten.
Um es kurz zu sagen, man versucht möglichst, Anschlüsse zu berücksichtigen, kann aber nicht alle unter einen Hut bekommen. /no

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"Jedoch muss man halt bedenken, dass auf dieser Strecke ja nicht nur ein Anschluss erreicht werden muss. … man versucht möglichst, Anschlüsse zu berücksichtigen, kann aber nicht alle unter einen Hut bekommen."

Genau das ist aber der Ansatz von Bahn2000 in der Schweiz:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bahn_2000#Bahn_2000

Zitat: "Ziel des Konzepts war, grosse Knotenbahnhöfe in weniger als einer Stunde zu verbinden: Züge sollten vor der halben/vollen Stunde ankommen, und kurz danach wieder abfahren. So sollten die Züge «nicht so schnell wie möglich, sondern so schnell wie nötig» verkehren,"

Das ist heute z.B. in Zürich HB für heute gegen 12:00h wie folgt realisiert (außer S-Bahnen):

Ankunft zur Minute: 48, 49,51, 51, 52 (IR von Basel), 53, 53, 54, 55, 56 (IC von Bern), 56, 58, 59 (von ZH Flughafen), 00 (IC von Basel), 05 (IR von Bern), 07 (von ZH Flughafen), 21,…

Abfahrt zur Minute: 52 (nach ZH Flughafen), 55 (IR nach Bern), 00 (IC nach Basel), 01 (nach ZH Flughafen), 02, 03, 04 ,06, 07, 07, 08 (IR nach Basel), 09, 10, 30,…

Damit ist praktisch Anschluss aus allen Richtungen in alle Richtungen gegeben, mit ganz wenigen Ausnahmen, die eh keinen Sinn machen (wie Basel – Zürich nonstop und dann Zürich – Bern nonstop) oder mit häufigen Alternativen (wie zum Flughafen).

Die extreme Bündelung um die volle und halbe Stunde und dann wieder Pause von insgesamt fast 30 Minuten pro Stunde erfordert natürlich eine gut ausgebaute Infrastruktur. Hierfür wurden kreuzungsfreie Zufahrten zum Zürcher HB extra nachgerüstet, die Stuttgart Hbf seit jeher besaß. Und mittlerweile ist der laut Schlichter Geißler in Stuttgart unmögliche Kompromiß zwischen Kopf- und Tunnelbahnhof in Zürich im Vollbetrieb: zusätzlich 4 unterirdische Gleise 31 bis 34 und die Durchmesserlinie.

Es gibt auch Studien, einen kundenfreundlichen Taktbetrieb wie in der Schweiz auch in Deutschland einzuführen:

https://www.zukunft-mobilitaet.net/42868/analyse/integral...

" man versucht möglichst, Anschlüsse zu berücksichtigen, kann aber nicht alle unter einen Hut bekommen."

Wie man am Beispiel Schweiz sieht, kann man, wenn man will. Aber offenbar will man gar nicht…

Zitat aus obigem Link: "Weil die Deutsche Bahn aber keinen Symmetrieknoten in Stuttgart plant, zumal bei einem Halbstundentakt auf den meisten Strecken auch ohne Taktknoten akzeptable Umsteigezeiten möglich sind, spielt die fehlende Eignung des Tiefbahnhofes als ITF-Vollknoten für sie nur eine geringe Rolle."

(Nur zur Ergänzung: In 4 Wochen Rundfahrt durch die ganze Schweiz haben ALLE unsere Anschlüsse geklappt! Es gab zwar manchmal leichte Verspätungen, aber die paar Mal, wo es darauf ankam, warteten alle Anschlußzüge, auch auf solchen anderer Bahngesellschaften. Das Monats-GA machte somit viel Freude und wird daher im laufenden Halbtax-Jahr wohl nicht das letzte gewesen sein.)