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Wie läuft die Fahrt mit dem IC-Bus von London nach Düsseldorf ab?

(Eigentlich will ich nur hier selbst die Antwort posten, weil ich sowas gerne vorher gewusst hätte.)

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Der IC-Bus fährt von der Victoria Coach Station ab, die wenige Gehminuten von der U-/Bahnstation "Victoria Station" liegt. Ein Display am Eingang zeigt an, an welchem Gate die Busse abfahren.
Tatsächlich ist es eher so, dass man an bestimmten Gates wartet, bis man dann zum Bus gelassen wird.
Das hat in meinem Fall nicht so ganz geklappt.
Laut Display am Eingang soll der Bus an Gate 20 fahren. An Gate 20 warten auch ganz viele Leute. Aber auf einen anderen Bus. Der IC-Bus wird auf keinem der Displays mehr angezeigt.
Nach hektischer Suche (die Abfahrtszeit nähert sich) frage ich dann einen Menschen in gelber Warnweste, der mich durch Gate 19 auf den Busbahnhof schickt. Dort steht dann auch - hinter anderen Bussen gut versteckt(!) der IC-Bus und wartet.
Der deutsche Busfahrer schaut kurz das Ticket an, mustert mein Gepäck (ein Rucksack, eine Umhängetasche, eine Plastiktüte mit Souvenirs) und meint, dass ich alles mit in den Bus nehmen kann. Die auf meiner Fahrkarte angegebene Sitzplatznummer ist egal - laut Busfahrer darf man sich einen beliebigen Platz aussuchen.
Der Bus ist bei Abfahrt dann zu etwas mehr als 50% gefüllt, so dass ich einen Doppelsitz (mit Steckdose) für mich habe (Der zeitgleich von London nach Köln fahrende Flixbus ist an diesem Abend mit 78 Fahrgästen komplett vollgestopft - wir treffen ihn immer wieder entlang der Strecke).

20:30 - Abfahrt fast pünktlich - ein Fahrgast ist erst Last-Minute gekommen. Auf Deutsch und kreativem Englisch erklärt der Busfahrer die Regeln: Toilette erst, wenn wir auf der Autobahn sind. Kein Fast Food im Bus. Und wer keinen gültigen Ausweis dabei hat, wird in Dover ein Problem kriegen. Wir quälen uns durch den Londoner Verkehr. Ich merke mal wieder, dass ich niemals als Busfahrer arbeiten könnte - viel zu stressig. Das W-LAN funktioniert so halb: Man kann das ganz akzeptable On-Board-Entertainment nutzen (Videos, Musik, taz und ZEIT als PDF). Ins Internet kommt man trotz Neustart des Systems aber nicht.

21:30 - Wir sind aus dem gröbsten Verkehr raus und fliegen über die Autobahn. Busfahrer 2 geht mit einer Liste durch den Bus, in die man Name, Nationalität, Alter, Geschlecht und Passnummer für die Fähre eintragen soll. Die Fahrgäste sind bunt gemischt - auch einige Kinder und Jugendliche sind dabei. Die Lautstärke ist ingesamt ok - mit Kopfhörern und leiser Musik oder mit Ohrenstöpseln hat man größtenteils seine Ruhe. Die Grundbeleuchtung im Bus ist etwas zu hell zum Schlafen.

22:30 - Wir sind in Canterbury und haben uns dort etwas verfahren, weil die A2 umgeleitet wird. Wir zuckeln über enge Landstraßen. Insgesamt sammeln wir durch die Umleitung ca. 60 Minuten Verspätung an.

23:15 - Wir sind in Dover. Zuerst kommen ein paar Security-Leute und scannen die Ausweise ein. Dann darf man aussteigen, durch die französische Grenzkontrolle gehen und gleich wieder einsteigen.

23:40 - Wir stehen an der Fähre (P&O, Pride of Kent), die wohl auch Verspätung hatte. Nach kurzer Wartezeit fahren wir drauf. Man wird gebeten, den Bus zu verlassen und auf die oberen Decks zu gehen. Es empfiehlt sich, alles mitzunehmen, was man während der 90-minütigen Überfahrt braucht. Damit man später wieder zum Bus zurückfindet, sollte man sich merken, auch welchem Deck er steht (Nummer), und welche Treppe (Farbe) am nächsten ist.

0:15 - Die Fähre legt ab. Ganz hinten kann man auf das Raucherdeck (Ebene 9) gehen, das einen netten Ausblick bietet.
Auf den anderen Ebenen gibt es ein SB-Restaurant mit relativ normalen Preisen und viele Sitzgelegenheiten.
WLAN kostet £2.00 für die Überfahrt.

3:00 (jetzt in der Zeitzone MESZ) - Die Fähre hat angelegt. Alle sammeln sich im Bus und wir sind wieder unterwegs. Es wird jetzt ruhiger im Bus. Ab hier wechseln sich die Busfahrer alle paar Stunden ab. Jetzt funktioniert auch das Internet via WLAN.

5:30 - Wir kommen in Antwerpen mit ca. 60 Minuten Verspätung an (auch der Flixbus ist wieder da, ebenfalls mit 60 Minuten Verspätung).
Die Verspätung beim nächsten Zwischenhalt in Eindhoven beträgt dann noch 50 Minuten.

8:15 - Wir kommen mit 35 Minuten Verspätung in Düsseldorf an - ca. 50 m vom Hauptbahnhof. Der Busfahrer verteilt Bestätigungen über die Verspätung und verabschiedet sich.

Fazit / Anmerkungen:

  • Es reicht noch, wenn man 10-20 Minuten vor Abfahrt am Bus ist. Je eher man kommt, umso bessere Plätze sind noch frei.
  • Die Fahrt mit dem IC-Bus zog sich durchaus etwas in die Länge, war aber nie stressig (bis auf die Suche der Abfahrtsstelle in London).
  • Wenn man weiter vorne im Bus sitzt, bekommt man die Unterhaltungen der beiden Busfahrer mit, was ganz unterhaltsam ist, aber ein bisschen beim Schlafen stören kann.
  • Beide Fahrer sind sicher und ruhig gefahren.
  • Die Toilette ist sauber aber ziemlich eng.
  • Neben der Toilette ist ein Automat, aus dem man theoretisch Snacks und Getränke bekommt. Habe ich nicht ausprobiert.
  • Die Fahrt auf der Fähre ist durchaus ein Erlebnis, wobei man nachts bis auf die Lichter von Dover und Calais leider nicht viel von der Umgebung mitbekommt.
  • Schlafen kann man stückchenweise ganz gut - ca. 2 Stunden zwischen London und Dover und dann nochmal fünf Stunden zwischen Calais und Düsseldorf. In Antwerpen und Eindhoven wird man allerdings vermutlich von den Durchsagen des Busfahrers aufgeweckt.

XYZ
XYZ

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Das kann ich so bestätigen. :)
Bei mir ging das WLAN plötzlich irgendwann.
Insgesamt finde ich den IC Bus gut, was ich bemängeln muss ist, dass er sehr oft zu spät ankommt. Wir hatten auch schon mal 75 Minuten Verspätung. Das lag aber auch an der Fährgesellschaft. Warum kann man im Fahrplan keine Puffer einbauen in denen der Bus abgestellt wird?

Und die DB denkt auch nicht über ein Ausbau der Verbindungen nach England aus oder?
Ich denke da gibt es noch viel Potenzial...

Leo
Leo

Leo

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Es gäbe noch viel mehr Potential für die DB = Deutsche BAHN:

London Spezial für eine BAHN-Reise über Paris, z.B.

Oder zunächst mal als eeste Hilfe gegen die unzuverlässigen Fähren:

https://www.eurotunnel.com/uk/trade/coach-operators/

Zumindest für PKWs gibt es da eine interessante Regelung, von der Sparpreis-Kunden der DB nur träumen können:

https://www.eurotunnel.com/uk/tickets/

"If you arrive within 2 hours of the booked departure time, the booking will be exchanged without charge ;
If you arrive more than 2 hours but no more than 24 hours after the booked departure time on your outward journey, the booking will be exchanged if you pay any difference between the price you paid and the price applicable to the departure for which your booking is exchanged ; "