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Warum müssen Privatbahnen bezahlen wenn sie über Gleise fahren?

Ich habe gehört, dass Privatbahnhen Geld bezahlen müssen wenn sie über die Gleise fahren. Ich frage mich warum?

Halbhirn
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Volker
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Alle, nicht nur die Privatahnen müssen an die DB Netze einen
gewissen Obolus je nach Strecke .. bei Fernverkehr bis knapp
unter 10,- Euro je Kilometer zahlen.

Je nach Strecke liegt das bei 3,** (NV) Stufenweise bis 9,** (Fernverkehr)
Euro, je Kilometer. Hinzu kommt noch das je Halt auch noch ein Paar Euro
anfallen welche so dann die zuständigen Städte und Gemeinden zahlen.

Betrachte dies bitte in etwa im Vergleiche zur KFZ Steuer welche
die Straßen, bau und Unterhalt finanzieren .. hier eben die Strecken
unterhalten werden müssen.

Hier zahlen die Privatbahnen insbesondere im NV aus meiner Sicht,
sogar viel zu wenig ... warum ?
Da die Privaten aus ihren Gewinnen leider keine Dividende aus ihren Gewinnen
an den Bundesverkehrsminister abgeben müssen .. sprich die DB zahlt insofern
mehr als die Privatbahnen für Streckennutzung.

Es wird in Europa (EU) aufgrund gesetzlicher Vorschriften grundsätzlich zwischen Eisenbahn-Verkehrsunternehmen (EVU) und Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen (EIU) unterschieden. Jedes EVU zahlt für jeden gefahrenen Zug so genannte Trassennutzungsgebühren an das zuständige EIU. Dazu kommen ggf. für jeden Zughalt auch noch Stations-Nutzungsgebühren an den jeweiligen Stationsbetreiber (z. B. DB Station & Service, aber auch hier gibt es Private) oder Gebühren für die Nutzung anderer technischer Einrichtungen (z. B. Fahrstrom, Wasser/Abwasser, Abstellanlagen). Auf diese Art und Weise wird die gesamte Infrastruktur allen EVU zu einheitlichen Konditionen zugänglich gemacht und es kann eine den Verkehrsmarkt belebende Konkurrenz auf Schienen entstehen, damit nicht, wie früher, ein Monopolist (bis 1993 DB = Deutsche Bundesbahn) den gesamten nationalen Markt beherrscht und somit allein über das Angebot bestimmt.

Auch bei den "Privaten" ist zwischen EVU und EIU zu unterscheiden. Es gibt Privatbahnen, die lediglich Verkehrsleistungen anbieten und dafür Gleise der DB NETZE nutzen, die sämtliche bundeseigenen Eisenbahnen und somit den Großteil der Eisenbahnstrecken in Deutschland verwaltet. Klar, daß diese dafür bezahlen müssen. Es gibt aber auch private Infrastruktur (sogenannte nichtbundeseigene Eisenbahnen, kurz NE), die umgekehrt nicht nur von den Privaten selbst, sondern auch von Zügen der DB befahren werden können, ebenfalls gegen Bezahlung.

Ebenfalls gemäß gesetzlicher Bestimmungen wird der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) öffentlich und europaweit ausgeschrieben und es können sich alle daran interessierten EVU dafür mit Angeboten bewerben. Die Aufgabenträgerschaft liegt bei den einzelnen Bundesländern, welche entweder selbst (z. B. in Bayern die Bayerische Eisenbahngesellschaft) die Vorgaben bezüglich Fahrplangestaltung und Kapazität sowie Ausstattung der Züge machen oder diese Aufgaben an Verkehrsverbünde (z. B. den VBB für Brandenburg und Berlin) delegieren. Der Bund stattet die Länder anteilig mit einem bestimmten Betrag, den sogenannten Regionalisierungsmitteln (2016 = 8 Milliarden Euro) für die Bestellung und Bezahlung dieser Leistungen aus und die Länder können natürlich auch noch selbst was dazu beitragen. Die Fahrgeldeinnahmen decken nur einen Teil der Kosten (z. B. in Bayern nur rund die Hälfte) und werden entweder vom Besteller bei der Ausschreibung oder vom EVU im Angebot kalkulatorisch berücksichtigt - je nach dem, wer die Fahrgeldeinnahmen für sich verbuchen darf.

Dadurch, daß sich in der Regel pro Ausschreibung von einzelnen Strecken oder Teilnetzen mehrere EVU bewerben, ist der Preis für SPNV-Leistungen insgesamt gesunken und es können daher für das gleiche Geld deutlich mehr Züge fahren, als das zu DB-Monopolzeiten der Fall war. Der Personen-Fernverkehr sowie der Güterverkehr sind dagegen von den einzelnen EVU eigenwirtschaftlich zu erbringen und liegen somit gänzlich in deren unternehmerischer Verantwortung, weshalb die DB schon zahlreiche Fernzug-Verbindungen eingestellt hat und lieber darauf setzt, daß die Länder ersatzweise SPNV bestellen, was für die Fahrgäste nicht immer von Vorteil ist, da dadurch schon zahlreiche einst komfortable Direktverbindungen wegfielen (z. B. das gesamte InterRegio-Netz, aber auch einige InterCity-Verbindungen). Private Konkurrenz gibt es im Fernverkehr kaum. Im Güterverkehr tummeln sich dagegen zahlreiche EVU auf den Schienen, hierbei scheint das politisch gewollte Marktprinzip am besten zu funktionieren.

@Elmaran | Sie vergessen, daß die Deutsche Bahn eine Aktiengesellschaft ist, deren alleiniger Aktionär die Bundesrepublik Deutschland ist. Somit ist klar, daß die vom Gewinn abhängige Dividende auch dorthin geht, stellvertretend an das Verkehrsministerium. Die Privaten haben damit nichts zu tun, zahlen aber, genau wie die Eisenbahnverkehrsunternehmen der DB, an die DB NETZE für die Benutzung deren Gleise. Die Erlöse aus den Trassennutzungsgebühren sind somit Teil des Gewinns, von welchem die DB die Dividende an ihren Eigentümer ausschüttet - somit beeinflussen die Privaten indirekt sehr wohl auch deren Höhe. Im Übrigen zahlen die Privaten ja auch gewinnabhängige Steuern an Bund, Länder und Kommunen.

David
David

David

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Während der Straßenbau in Deutschland zum allergrößsten Teil aus den allgemeinen Steueraufkommen finanziert wird, ist es beim Schienenverkehr genau andersherum. In das Schienennetz investiert der deutsche Staat im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr wenig. Dennoch fallen hohe Kosten für die sichere Vorhaltung aller Strecken an. Diese werden zum größten Teil von den Nutzern (also den Eisenbahnverkehrsunternehmen) getragen. Dies gilt gleichermaßen für private Unternehmen, ausländische Staatsunternehmen (inkl. deren Töchtern), Eisenbahnen im Besitz von Ländern und Kommunen und den Unternehmen, die zur deutschen Bahn gehören. Auch auf Strecken, die nicht der Deutschen Bahn gehören, ist eine sogenannte Trassengebühr für jede Zugfahrt zu entrichten.