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Sollen auch Paare jetzt mit dem Auto fahren um in den Zügen Platz für umworbene junge Neukunden zu machen?

Ein Auto fährt bekanntlich (fast) zum selben Preis, egal ob ein, zwei oder noch mehr Personen drinsitzen. Ist ein Auto schon vorhanden, ist die Bahn immer teurer, je mehr Personen gemeinsam eine Fahrt unternehmen. Daher gab es ja auch mal den Mitfahrer-Rabatt, der in einer ersten Welle 2004 schon wieder gekappt wurde:
https://www.test.de/Deutsche-Bahn-AG-Bis-zu-90-Prozent-Zu...

Zitat: "Verlust im Vergleich zum Auto - Die Folge: Für die von der Rabattstreichung betroffenen Gruppenfahrten manövriert die Bahn sich im Vergleich zum Auto schlagartig ins Abseits. Trotz der drastisch gestiegenen Kraftstoffpreise ist Bahnfahren für Kleingruppen in aller Regel deutlich teurer als die Fahrt mit dem Auto. Dabei war die Konkurrenz zum Auto der eigentliche Grund für die Einführung des Mitfahrerrabatts."

Dann kam und ging der Mitfahrer-Rabatt in verschiedenen verwirrenden Variationen im Laufe der Jahre; zuletzt gab es ihn theoretisch noch in Form eines 19€-Pauschal-Sparpreises für die 2. (und ggf. weitere) Person, sofern für die erste Person ein Sparpreis bis maximal 39€ verfügbar war.

Seit einiger Zeit verreise ich nicht mehr allein, sondern meist zu zweit. Die mehrfache Suche nach einem akzeptablen Sparpreis war leider überhaupt nicht erfolgreich:

  • 29€+19€ = 48 € für nur ca. 200 km einfach fanden wir zwar gelegentlich, aber im Vergleich zum Auto war es dann doch zu teurer. Außerdem ist die relativ kurze Autofahrt noch nicht so anstrengend, um einen Mehrpreis für die bequemere Zugfahrt zu rechtfertigen.
  • Für längere Fahrten (400 bis 700km) fanden wir leider wiederholt recht kurzfristig keine akzeptablen Sparpreise mehr, insbesondere da es schon länger keinen Mitfahrer-Rabatt mehr gibt. In etwa 69€+69€=138€ oder mehr Sparpreis einfach für 2 Personen animierten uns dann doch zur anstrengenderen Autofahrt zum höchstens halben Preis FÜR DIE REIN VARIABLEN KOSTEN, zumal wir am Ziel nicht dem überteuerten und unzuverlässigen Verkehrsverbund (Paradebeispiel VRR!) ausgeliefert waren.

Hier
http://www.deutschebahn.com/de/presse/pressestart_zentral...
lese ich jetzt zu meinem Erstaunen:

"Eine weitere Anpassung bei der Buchung von Sparpreis-Tickets: Den von Kunden nur wenig nachgefragten Mitfahrer-Rabatt bei Sparpreisen wird es ab 1. August nicht mehr geben. Bisher war in den unteren Preisstufen die Mitnahme von bis zu vier weiteren Reisenden zum Festpreis von je 19 Euro möglich."

Da kann ich nur energisch protestieren: NACHFRAGE meinerseits war sehr oft vorhanden – nur attraktive Angebote gab es in letzter Zeit nie! Ich fühle mich jetzt doch ganz kräftig auf den Arm genommen!

Wie passt das denn zum aktuellen Mitfahrer-Angebot?:
https://www.bahn.de/p/view/bahncard/ueberblick/mitfahrer....

Gibt es eine irgendeine Strategie hinter diesem Hühott?

Weiter in obiger Presse-Mitteilung (wie ja auch in einem anderen Thread bestätigt):

"Angebote für junge Reisende - Um künftig noch mehr junge Menschen für die Bahn zu begeistern, …"

Als älteres Paar haben wir verstanden, stehen dieser Begeisterung nicht mit unserer teuer erkauften Anwesenheit im Zug im Wege, sondern begeistern uns stattdessen für Reisen mit ausländischen Bahnen oder dem Auto.

Wie kommt die DB denn zu der Behauptung, dass keine Nachfrage bestehe? Aufgrund der Buchungszahlen? Marktforschung im Zug? (Da werden aber doch nur die Käufer erfaßt, aber nicht die NICHT-Käufer eines überteuerten Angebots; bei der letzten Befragung waren auch nur ganz pauschale Antworten erlaubt, ohne Freitext.) Einfach nur Ausrede, weil man das Geld für die Jugend-Wohltaten einsparen will?

Weiter geht es in der Pressemitteilung:
"Die Zwischenbilanz der Kundenakzeptanz beim differenzierten Flexpreis fällt positiv aus. Bohle: „Markttests sind bei uns mittlerweile gang und gäbe und ein guter Indikator, auf welche Akzeptanz ein Angebot stößt. Die aktuelle Nachfrageentwicklung zeigt, dass wir mit dem differenzierten Flexpreis offensichtlich den richtigen Weg eingeschlagen haben: In den ersten vier Monaten des Jahres 2017 haben wir knapp 9 Prozent mehr Flexpreis-Tickets verkauft als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.“"
Da hatte ich aber einen etwas anderen Eindruck aus den Diskussionen der Betroffenen hier…

Aber offenbar hat man als Kunde angesichts dieser offenbaren Selbstgefälligkeit wirklich nur die Möglichkeit, mit den Rädern abzustimmen…

Leo
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"In den ersten vier Monaten des Jahres 2017 haben wir knapp 9 Prozent mehr Flexpreis-Tickets verkauft als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.“
-> Ja, klar.
Weil es dank des differenzierten Flexpreises jetzt sinnvoller ist, Hin- und Rückfahrt auf getrennte Tickets zu buchen, werden mehr Flexpreis-Tickets verkauft. Was vorher ein Ticket war (Hin+Rück) sind jetzt zwei.
Wie man daraus Zufriedenheit mit dem differenzierten Flexpreis lesen kann, ist mir ein völliges Rätsel.

"Da kann ich nur energisch protestieren: NACHFRAGE meinerseits war sehr oft vorhanden – nur attraktive Angebote gab es in letzter Zeit nie! Ich fühle mich jetzt doch ganz kräftig auf den Arm genommen!"
-> Das ist doch eine Strategie der Bahn, die schon zu Bundesbahnzeiten verwendet wurde: Erst ein Angebot verknappen / unattraktiv gestalten, bis die Nutzerzahlen zurückgehen und dann das Angebot einstellen mit der Begründung, es habe kaum jemand das Angebot genutzt.

"Gibt es eine irgendeine Strategie hinter diesem Hühott?"
-> Wo doch der Vorstandsvorsitzende der DB die Abschaffung der Fahrkarte angekündigt hat, weil man Reisen ja spontan per Smartphone abrechnen kann, wundert mich nichts mehr. Dass eine nachträgliche Äbrechnung dem Mantra der Auslastungssteuerung zuwiderläuft, hat wohl niemand bemerkt. Und dass es diese Idee schon mal gab ("Touch&Travel") ist bestimmt auch schon vergessen worden.

Übrigens Danke, Leo, dass Sie mich auf den Wegfall des Mitfahrerrabatts aufmerksam gemacht haben. Ich habe den mit meiner Familie regelmäßig genutzt. Wenn mein ältestes Kind alterbedingt aus der kostenlosen Mitnahme herausfällt und ich dann für Partnerin und (zahlendes) Kind keinen Mitfahrerrabatt mehr bekomme, steigt natürlich die Attraktivität des Autos - das stimmt.

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""In den ersten vier Monaten des Jahres 2017 haben wir knapp 9 Prozent mehr Flexpreis-Tickets verkauft als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.“
-> Ja, klar.
Weil es dank des differenzierten Flexpreises jetzt sinnvoller ist, Hin- und Rückfahrt auf getrennte Tickets zu buchen, werden mehr Flexpreis-Tickets verkauft. Was vorher ein Ticket war (Hin+Rück) sind jetzt zwei."

Hatte mich auch gefragt, wie diese Steigerung zustande gekommen sein könnte. Ihre Erklärung ist einleuchtend. Und wenn es tatsächlich so sein sollte, dass die Bahn dieses unflexible Flexticket-Modell mit so linken Tricks langfristig installiert, ist das eine riesige Sauerei.

Hallo Leo,

vielen Dank für das ausführliche Feedback.

Ich vermute, Sie nutzen bereits eine BahnCard. Sonst hätten Sie den Link zu unserem Mitfahrer-Angebot nicht. Damit sparen Sie auf jeder Fahrt mit DB-Tarif ja noch einmal. Und solche Angebote für unsere treuesten Bahnkunden wird es immer wieder einmal geben.

Viele Grüße aus Berlin /ma