Frage beantwortet

Pünktlichkeitsoffensive = Lächerlichkeitsoffensive ?

Überall liest man, dass die Bahn ihre Pünktlichkeitsoffensive gestartet hat. Wie sieht die Realität aus? Die Bahn streicht in großer Anzahl Fernverbindungen in Bochum. Die Fernzüge fahren einfach ohne Halt durch und erlangen so vielleicht 2 bis 3 Minuten Zeitpuffer. Das hilft dann, die Pünktlichkeit im Fernverkehr im Durchschnitt über alle Züge um ein paar lächerliche Sekunden zu verbessern. Was heißt das aber für den Bahnfahrer? Nun, er muss dann in Bochum in die Regionalbahn steigen, um in Dortmund den Fernverkehr zu bekommen. Dadurch ist er natürlich länger unterwegs, so 15 bis 20 Minuten, wenn alles glatt läuft...:-) Läuft es aber in der Regel nicht. Er verpasst also ca. 2 bis 3 Mal die Woche den Anschlusszug - der ja jetzt einfach so durch Bochum durchfährt :-) - in Dortmund. Der nächste Fernzug in Richtung Münster oder Osnabrück fährt 1 Stunde (!) später. Das heißt, er ist dann 2 bis 3 Mal die Woche schlappe 60 Minuten länger unterwegs. Zusätzlich mit dem Umweg über den Regionalverkehr sind es dann häufig also unglaubliche 70 bis 75 Minuten. In der Statistik taucht dann irgendwann auf, dass die Bahn die Pünktlichkeit im Fernverkehr um 1 oder 2 Minuten gesteigert hat. Feierstunde für den Bahnfahrer? Natürlich nicht, da dieses voll auf seine Kosten geht. Ein Mehr an Fahrzeit wie oben berechnet von sage und schreibe 70 bis 75 Minuten, um eine Mehr an Pünktlichkeit von wenigen Sekunden zu erreichen! Nur tauchen diese Unannehmlichkeiten für den Bahnfahrer nicht in der Pünktlichkeitsstatistik auf. Statistiktrick nennt man sowas. Ein Witz, oder? Ich kann nur jedem raten, diese Mogelpackung, die voll auf Kosten der Bahnfahrer erfolgt, in den sozialen Medien zu verbreiten. In meinen Augen ist das eine absolute Lächerlichkeitsoffensive der Deutschen Bahn. Ich kenne kein Unternehmen, dass so gegen ihre Kunden agiert.

Die Antwort wurde von DB Bahn bestätigt
kabo
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Es geht nicht um ein paar Minuten in der Statistik, sondern um Anschlüsse.
Die in Bochum durchfahrenden IC in Richtung Norden haben knappe Anschlüsse in DO (IC nach Hannover) und MS (sämtliche Regionallinien fahren kurz nach der planmäßigen IC-Ankunft ab).
Die in Bochum durchfahrenden IC in Richtung Süden haben knappe Anschlüsse in K (ICE nach Frankfurt-Stuttgart-München).
Da macht es schon viel aus, ob ein IC drei Minuten Zeitpuffer hat. Bei den o.g. Anschlüssen entscheiden 3 Minuten, ob man den Anschlusszug bekommt oder nicht.
Durch den Wegfall des Halts in Bochum werden diese - stark genutzten - Anschlüsse jetzt zuverlässiger erreicht. Das generiert Kundenzufriedenheit bei den zahlreichen Reisenden, die solche Anschlüsse nutzen wollen (z.B. bei mir).

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tina2016
tina2016

tina2016

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Interessant wäre tatsächlich eine Ende-zu-Ende-Pünktlichkeit. Dafür braucht es Informationen über die tatsächlich gefahrenen Ende-zu-Ende-Verbindungen, die ja teilweise über Umfragen in den Zügen vorliegen und teilweise aus den Verbindungsabfragen über bahn.de oder Navigator und den Fahrkartenkäufen geschätzt werden könnten.

Ich wollte eigentlich der Bahn schon länger mal vorschlagen, Verspätungsprognosen für die verschiedenen Züge (anhand von Wochentagen, Baustellen etc.) zu erstellen und dann eine Wahrscheinlichkeit, dass eine ausgegebene Verbindung so gefahren werden kann bei der Verbindungsabfrage mit auszugeben. Vielleicht dann noch mit einer Eingabemöglichkeit für Mindestwahrscheinlichkeit, die dann zu längeren Umsteigezeiten führen würde o.ä.

Egal. Bei Verspätungen ab 60min greifen ja die Fahrgastrechte. Vielleicht bewegt sich ja etwas, wenn ausreichend häufig entsprechende Anträge gestellt werden.

kabo
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Es geht nicht um ein paar Minuten in der Statistik, sondern um Anschlüsse.
Die in Bochum durchfahrenden IC in Richtung Norden haben knappe Anschlüsse in DO (IC nach Hannover) und MS (sämtliche Regionallinien fahren kurz nach der planmäßigen IC-Ankunft ab).
Die in Bochum durchfahrenden IC in Richtung Süden haben knappe Anschlüsse in K (ICE nach Frankfurt-Stuttgart-München).
Da macht es schon viel aus, ob ein IC drei Minuten Zeitpuffer hat. Bei den o.g. Anschlüssen entscheiden 3 Minuten, ob man den Anschlusszug bekommt oder nicht.
Durch den Wegfall des Halts in Bochum werden diese - stark genutzten - Anschlüsse jetzt zuverlässiger erreicht. Das generiert Kundenzufriedenheit bei den zahlreichen Reisenden, die solche Anschlüsse nutzen wollen (z.B. bei mir).

@kabo, ich habe keine Ahnung, in welcher Welt Sie leben. Ihre Einstellung teile ich zu null Komma null und finde diese zudem sehr bedenklich. Wenn Sie bei der Bahn für die Gestaltung der Fahrpläne zuständig sind, dann wundert mich wirklich nichts mehr. Ich gebe Ihnen mal zwei Links, damit Sie wissen, was Ihre Kunden von der Bahn mittlerweile halten. Nur die Realität zählt, keine Träumereien von Fahrplangestaltern, die ihr Handwerk nicht verstehen:

https://weact.campact.de/petitions/ic-ec-zuge-sollen-wied...

https://www.waz.de/staedte/bochum/ic-halt-am-hauptbahnhof...

Bochum ist großer Universitätsstandort. Bochum beherbergt einen großen Wohnungsbaukonzern (DAX Mitglied). In Bochum z.B. auch u.a. BP Europa, Deutsche Ren­ten­ver­sicherung Knapp­schaft-Bahn-See, etc., etc.
Die Leute, die dort arbeiten, wohnen z.B. in Düsseldorf oder Münster und besitzen eine DB Jahreskarte. Nur, die Jahreskarte wird oft nicht für Bochum - Münster gebucht, sondern z.B. für Münster - Essen oder Düsseldorf - Dortmund, um ein Beispiel zu nennen. Es kostet ja nur ein paar Euro mehr, ermöglicht aber in der Freizeit oder beruflich auch die Nachbarstadt Essen oder Dortmund mitzunutzen. Das wird oft so gemacht. Bochum taucht dann in der Statistik des Fahrplanverkaufs nicht auf. Da kenne ich einige, die das so machen. Ich vermute, die DB Bahn kennt ihre Kunden nicht und weiß nicht, worauf diese Wert legen. Die totale Fokussierung auf die Pünktlichkeitsstatistik, die gnadenlos auf Kosten von Berufspendlern gestaltet wird, ist meiner Meinung nach eine Geisterfahrt.

kabo
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@MichKart
Falls Sie interessiert, in welcher Welt ich lebe: Süddeutsche Großstadt, mehr Einwohner als Bochum, mehr Dax-Konzerne als Bochum, mehr Universitäten als Bochum. Beruflich in keiner Weise mit der DB verbunden, weder als Arbeitgeber noch als Geschäftspartner. Bin aber oft mit der Bahn auf der Achse Süddeutschland-Ruhrgebiet-Nordwestdeutschland unterwegs.
Ja, ich ärgere mich, wenn ich von Süden kommend in Münster oder Osnabrück wegen 3 Minuten meinen Anschlusszug (Nahverkehr) verpasse und dann 60 min waren muss. Und ich ärgere mich wenn ich in Köln wegen 3 Minuten den Anschluss-ICE zur Schnellstrecke Richtung F-Flughafen-Süddeutschland verpasse und dann 60 min warten muss.

Ich begrüße Maßnahmen, die dazu beitragen, dass Anschlüsse zuverlässig erreicht werden und einem nicht wegen 3 Minuten der Zug vor der Nase wegfährt (was in Münster und Osnabrück regelmäßig passiert, weil Nahverkehrszüge nicht mehr auf IC warten). Und ich weiß aus eigener Erfahrung als Vielfahrer, dass Anschlusssicherung das ist, was die Mehrheit der Reisenden will.

Ich gebe zu, dass ich ziemlich selten in Bochum ein- und aussteige, so dass meine persönliche Betroffenheit vom Wegfall des IC-Halts gering ist. Aber ich gehe davon aus, dass die Anzahl der Reisenden, die von der höheren Anschlusssicherheit profitieren, größer ist, als die Anzahl der persönlich betroffenen Bochumer.

Tom66
Tom66

Tom66

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Ich habe den IC in Bochum regelmässig Richtung Süden genutzt. Nun hat die Bahn es geschafft aus mehreren Fernvekehrsverbindungen Bochum-Köln eine einzige Verbindung alle 2 Stunden beizubehalten. Der IC hält ja nicht mehr, dazu fährt der ICE aus Berlin nur noch bis Düsseldorf. In dem dichten Takt der im Ruhrgebiet ist bringt der Ausfall des Haltes in Bochum rein gar nichts. Und die Versprechungen der Bahn das sich die Fahrzeit für die Fahrgäste in Bochum nur um 5-10 Minunten verlängert ist glatt gelogen. Wenn ich den IC in Essen erreichen will muss ich knapp 20 Minuten mit dem RE früher losfahren. Auf meine Nachfrage nach dem Versprechen mit der 5-10 Min. längeren Fahrzeit bekamt ich nur die Standardbausteine in der Antwort. Auf diesen falschen Sachverhalt wurde gar nicht eingegangen. Wenn der IC dann mal pünktlich durch Bochum durchrauscht steht er spätestens in Essen oder Dortmund vor dem Bahnhof. Dann ist er zu früh und sein Einfahrtsgleish noch gar nicht frei. Da hätte er auch in Bochun halten können.