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Fahrgastrechte bei planmäßiger Ankunft nach Mitternacht?

Ich habe eine Frage zu den Fahrgastrechten bei planmäßiger Ankunft nach Mitternacht. Ich hatte eine Fahrkarte mit Zugbindung von Karlsruhe nach Aachen für den 05.03. mit folgender Verbindung:

21:01 ab Karlsruhe Hbf mit ICE 100
23:07 an Köln Hbf
23:15 ab Köln Hbf mit RE 10142
00:08 an Aachen Hbf

Der ICE100 hatte 10 Minuten Verspätung, so dass ich den RE verpasst habe. Mit mir waren mindestens 3 weitere Personen am Service Point, die ebenfalls diesen Anschluss verpasst haben. Die Kollegin am Service Point verweigerte uns allerdings ein Taxi mit der Aussage, dass ja noch ein Zug nach Aachen fahren würde (RE 10144 um 00:15, der ebenfalls ca. 8 Minuten Verspätung hatte) und wir keinen Anspruch hätten, da die planmäßige Ankunft ja nach Mitternacht läge. Hätte die planmäßige Ankunft vor Mitternacht gelegen und wir wären durch die Verspätung erst nach Mitternacht angekommen, wäre das "gar kein Problem" (Zitat) gewesen.

Ich verstehe die Bedingungen auf fahrgastrechte.info allerdings anders:
"Bei einer zu erwartenden Verspätung am Zielort von mindestens 60 Minuten und einer planmäßigen Ankunftszeit zwischen 0 und 5 Uhr hat der Fahrgast das Recht, ein anderes Verkehrsmittel, wie zum Beispiel Bus oder Taxi, zu nutzen. Die Kosten hierfür werden bis maximal 80 Euro erstattet."

Hier sind meiner Meinung nach alle Bedingungen erfüllt:
1.) die zu erwartende Verspätung am Zielort war mehr als 60 Minuten (planmäßige Ankunft RE 10144 in Aachen um 01:08, tatsächliche um 01:16)
2.) die planmäßige Ankunftszeit lag mit 00:08 zwischen 0 Uhr und 5 Uhr
3.) da mindestens 4 Personen waren lagen die Kosten für die Taxifahrt (ca. 120 €) deutlich unter 80 €/Person

Interpretiere ich die Fahrgastrechte an dieser Stelle falsch? Können Sie da ein wenig Licht ins Dunkle bringen?

Herzlichen Dank!

kaeffchenheinz
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kabo
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Bei der Frage, ob ein Taxi günstiger ist als die summierten 25%-Erstattungen, kommt man in die Untiefen der Fahrgastrechteverordnung.
Wenn das Taxi von der DB bezahlt wird (Taxigutschein), dann ist das Taxi eine Ersatzbeförderung durch die DB mit der Folge, dass dem Reisenden die 25% zustehen, wenn das Taxi den Zielort der Fahrkarte 60min später erreicht als der planmäßige Zug es getan hätte. Ergo: Wenn das Taxi es nicht schafft, die Verspätung unter 60min zu halten, dann zahlt die DB das Taxi (in Form des Taxigutscheins) und die Verspätungsentschädigung.
Das Absurde: Wenn das Taxi vom Reisenden selbst bezahlt wird (weil kein DB-Mitarbeiter verfügbar ist, der einen Taxi-Gutschein ausgeben kann), dann bekommt der Reisende zwar die Taxikosten erstattet, aber nicht zusätzlich noch die 25% wegen der Verspätung.

"Also zusammenfassend für meinen Fall: Wenn meine Verbindung die letzte des Tages ist, stellt mir die Bahn entweder eine Unterkunft oder eine Alternativbeförderung zur Verfügung."
-> Richtig. Ergänzend: Wenn kein Ansprechpartner vor Ort ist, der eine Alternativbeförderung bereitstellt, dann kann sich der Reisende selbst ein Taxi nehmen.

"Wenn nicht, dann ist die Uhrzeit egal und ich habe nur Anspruch auf 25%-Fahrpreiserstattung. Richtig?"
-> Ja. Denn die Weiterfahrt mit dem nächsten Zug (= eine Stunde später) dürfte im Regelfall eine akzeptable Ersatzbeförderung darstellen. Und wenn eine akzeptable Ersatzbeförderung verfügbar ist, besteht weder Anspruch auf Taxi noch auf Übernachtung.

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Volker
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Bitte auch alle Absätze dazu aus den Fahrgastrechten berücksichtigen, zum Beipiel auch den
Absatz 4-5 !

" werden dem Kunden die Kosten für ein anderes Verkehrsmittel bis max. 80 Euro *) **) ersetzt, "

" Wenn das Eisenbahnunternehmen kein anderes Verkehrsmittel zur Verfügung stellt. "

Hier wurde offenbar der nächste RE zur Verfügung gestellt,

Desweiteren wäre Dir ein Taxi recht teuer gekommen, das fährt nämlich NICHT die rund 80 KM Köln - Aachen für max Erstattung von 80,- Euro ... kenne da zwar die Taxikosten nicht, doch unter 160 KM geht da nichts .. es gibt auch Landkreise in denen wäre Taxi mit bei 250,- anzusetzen .. z. B. Burgenlandkreis.

Max 80,- Erstattung gilt auch für Hotel, und auch das erst dann wenn Dir die Bahn keine Unterkunft zur Verfügung stellt.

Folglich stehen Dir max 25% Erstattung auf den Ticketpreis auf der Fahrt der nach Aachen zu.

Volker
Volker

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Tatsache ist auch das zunächst die Bahn der Ansprechpartner ist, und das dürfte in
Köln ja so spät ja auch kein Problem sein .. die hat zuvor das recht Dir ein anderes
Verkehrsmittel oder bei Hotel auch zunächst eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen.

Und das hat sie hier nun auch einmal mit Verweis auf den noch fahrenden RE getan.
Im Grunde gibt es auch so etwas wie eine Schadensminderungspflicht, so in etwa
kannst Du es vergleichen ... denn ´solche Taxifahrten müssen sonst ja Dritte teuer
mit ihren Flextickets mitbezahlen ...
... doch die hätten jedoch wahrscheinlich lieber günstigere Ticketpreise statt Quersubventionierung zu zahlen.

Und dann sei glücklich das Ihr da Hyperbilligtaxipreise von vor min. 20 Jahren habt,
Hier kostette selbige Entfernung nach Hannover vor 10 Jahren nach Taxameter bereits
locker um 120,- Euro ... inzwischen so bei 180,- ... und da behaupten hier bei mir in
im Städchen .. hier seien Taxis echt unterdurchschnittlich billig.
( Burgenlandkreis ( Naumburg) erwähnt gehabt wo der KM 3,10 plus Grundgebühr kostet, daher 250,- .)

kaeffchenheinz
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Zu den Taxikosten: Eine Taxifahrt Köln-Aachen kostet ca. 120-130 € (mit Taxameter, selbst getestet), außerdem waren wir mindestens 4 Personen. Aber das ist für mich in desem Fall zweitranging, mir geht es um die Interpretation der Fahrgastrechte.

Ok, nach Deinem Edit kann ich den Gedankengang nachvollziehen. Allerdings bleiben noch zwei Fragen:
1.) Habe ich bei der gleichen Verbindung mit der gleichen Verspätung schon einmal (ebenfalls 4 Personen, die noch weiter nach Aachen mussten) ein Taxi bekommen (Taxischein, keine Vorleistung durch uns). War das reine Kulanz?
2.) Eine Grundlage für die Aussage der Service-Point-Mitarbeiterin, dass bei einer planmäßigen Ankunft vor Mitternacht ein Taxischein "kein Problem" wäre, finde ich in den Fahrgastrechten nicht, oder?

kabo
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Es ist kein Denkfehler, sondern der Tatsache geschuldet, dass Sie auf einer Seite nachgelesen haben, wo die Fahrgastrechte nur verkürzt dargestellt sind.
Die ausführliche Version findet sich hier:
http://www.fahrgastrechte.info/fileadmin/pdfs_bef/rechte/...

Und da heißt es (Klammern und Hervorhebung von mir):

(Bei einer planmäßigen Ankunftszeit zwischen 0 und 5 Uhr) UND (einer zu erwartenden Verspätung von mind. 60 Minuten am Zielbahnhof Ihrer Fahrkarte) werden Ihnen die Kosten für ein anderes Verkehrsmittel bis max. 80 Euro erstattet, WENN (das Eisenbahnunternehmen kein anderes Verkehrsmittel zur Verfügung stellt) UND (Sie mit dem Eisenbahnunternehmen aus von diesem zu vertretenden Gründen nicht in Kontakt (Kontaktaufnahme vor Ort mit der Fahrkartenverkaufs- oder Informationsstelle des Eisenbahnunternehmens oder Personal des genutzten Zuges) treten können).

Hier konnten Sie aber mit dem Eisenbahnunternehmen in Kontakt treten - nämlich am Servicepoint.
Und da wurde Ihnen ein anderes Verkehrsmittel zur Verfügung gestellt - nämlich der spätere RE.

Die Regelung mit der Taxi-Erstattung ist für Fälle gedacht, wo Sie nachts "in der Pampa" stranden und keinen Ansprechpartner der DB vor Ort haben, der Ihnen helfen kann. Dann darf der Fahrgast zur Selbsthilfe in Form des Taxis greifen.
In diesem Fall war aber keine Selbsthilfe notwendig, da der Servicepoint noch besetzt war.

Volker
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Volker

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Du übersiehst die Ermessensfrage der DB Mitarbeiter am Servzce Point,
vorrang hat das die Bahn Dir eine Alternative zur Verfügung stellt, und die
war hier ja eindeutig gegeben ...

Ich erinnere hier noch an meine erwähnte Schadensminderungspflicht, die selbst der Bahn
ebenso obliegen dürfte .. den Dritte dürfen solch unnötigen Luxus dann mit unnötig teuren
Flexpreisen für solche zahlen ... so auch eine Verhältnismäßigkeit der Mittel erwähnend.

kaeffchenheinz
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Vielen Dank für die Antworten, mir ging es im Übrigen nicht ums "Rummeckern", sondern um das Verstehen der Regelungen. In Köln strandet man ja zum Glück auch nicht in der Pampa, sondern an einem 24/7 besetzten Service Point.

Die Schadensminderungspflicht verstehe ich auch, allerdings kann je nach Anzahl der betroffenen Personen ein Taxi günstiger sein als die summierten 25%-Erstattungen. Ich denke, diese Abwägung wird ebenfalls getroffen.

Also zusammenfassend für meinen Fall: Wenn meine Verbindung die letzte des Tages ist, stellt mir die Bahn entweder eine Unterkunft oder eine Alternativbeförderung zur Verfügung. Wenn nicht, dann ist die Uhrzeit egal und ich habe nur Anspruch auf 25%-Fahrpreiserstattung. Richtig? Oder habe ich noch einen Fall vergessen?

Volker
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" Also zusammenfassend für meinen Fall: Wenn meine Verbindung die letzte des Tages ist, stellt mir die Bahn entweder eine Unterkunft oder eine Alternativbeförderung zur Verfügung. Wenn nicht, dann ist die Uhrzeit egal und ich habe nur Anspruch auf 25%-Fahrpreiserstattung. Richtig? Oder habe ich noch einen Fall vergessen? "

Stellt sie Dir keine zur Verfügung, an da kannst Du Dir selbsttätig eine Unterkunft oder Alternative Fahrmöglichkeit suchen .. und bis zu 80.- Euro darauf erstattet bekommen.

Ich sehe die letzte Verbindung des Tages jedoch als auch wirklich letzte verbindung des Tages, fährt die erst um 00:15 ist das für mich die letzte Verbindung des Tages.

Taxi mit mehreren Fahrgästen teilen wenn möglich, ist zwar gut und schön.
Aber darf der Taxifahrer bzw. ist bereit 4 Quittungen ( also geteilt durch 4 ) austellen .. ???
Normal stellt er nur eine aus ... und der Rest geht leer aus.

Ich kann im Grunde generell ebenso wie die DB es schon vor den Fahrgastrechten tat, möglichst mindestens eine Verbindung früher zu fahren so das wenigstens eine Verspätung aufgefangen werden kann, gegebenen Falles auf langen Strecken auch 2 Verbindungen früher ... so kommt man in der Regel zu 99% gesichert auch rechtzeitig am Zielnahnhof an.

MichaZ
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Man hat ja eh Anspruch auf die 25 % - egal ob die Bahn ein Taxi zahlt oder nicht.

Also wenn du an einen besetzten ServicePoint kommst, wird entschieden, wie weiter verfahren wird, also ob
Hotel
oder
Taxigutschein
oder ob doch was in die Richtung fährt

Nur für den Fall, wenn du irgendwo in der Pampa ankommst, dort keine Sau ist, kannst du in Vorleistung treten und bekommst das Taxi oder Hotel erstattet. Die bereitgestellten Alternativen der Bahn (in dem Fall der verspätete RE) sind in jedem Fall vor eigenmächtigen Alternativen vorzuziehen.

kaeffchenheinz
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Es geht nicht darum, dass ich mir selber ein Taxi nehme, wie schon festgestellt wurde, ist ja ein Mitarbeiter am Service Point erreichbar. Bisher ist es mir nur passiert, dass der Service Point einen "Taxischein" (=Kostenübernahmeerklärung (?)) ausgestellt hat und ein Taxi organisiert hat.

Vielen Dank übrigens für den Hinweis auf eine frühere Verbindung!

kabo
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Bei der Frage, ob ein Taxi günstiger ist als die summierten 25%-Erstattungen, kommt man in die Untiefen der Fahrgastrechteverordnung.
Wenn das Taxi von der DB bezahlt wird (Taxigutschein), dann ist das Taxi eine Ersatzbeförderung durch die DB mit der Folge, dass dem Reisenden die 25% zustehen, wenn das Taxi den Zielort der Fahrkarte 60min später erreicht als der planmäßige Zug es getan hätte. Ergo: Wenn das Taxi es nicht schafft, die Verspätung unter 60min zu halten, dann zahlt die DB das Taxi (in Form des Taxigutscheins) und die Verspätungsentschädigung.
Das Absurde: Wenn das Taxi vom Reisenden selbst bezahlt wird (weil kein DB-Mitarbeiter verfügbar ist, der einen Taxi-Gutschein ausgeben kann), dann bekommt der Reisende zwar die Taxikosten erstattet, aber nicht zusätzlich noch die 25% wegen der Verspätung.

"Also zusammenfassend für meinen Fall: Wenn meine Verbindung die letzte des Tages ist, stellt mir die Bahn entweder eine Unterkunft oder eine Alternativbeförderung zur Verfügung."
-> Richtig. Ergänzend: Wenn kein Ansprechpartner vor Ort ist, der eine Alternativbeförderung bereitstellt, dann kann sich der Reisende selbst ein Taxi nehmen.

"Wenn nicht, dann ist die Uhrzeit egal und ich habe nur Anspruch auf 25%-Fahrpreiserstattung. Richtig?"
-> Ja. Denn die Weiterfahrt mit dem nächsten Zug (= eine Stunde später) dürfte im Regelfall eine akzeptable Ersatzbeförderung darstellen. Und wenn eine akzeptable Ersatzbeförderung verfügbar ist, besteht weder Anspruch auf Taxi noch auf Übernachtung.

MichaZ
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wenn noch etwas gefahren sei, war der Taxigutschein reine Kulanzleistung und lag im Ermessen des Mitarbeiters.

kaeffchenheinz
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Ganz herzlichen Dank an kabo und MichaZ für die Antworten aus der Tiefe der Fahrgastrechte, das hat meinen Knoten im Kopf gelöst!