Diese Frage wartet auf Beantwortung

Hat man jetzt wirklich die Mitte-Deutschland-Verbindung KOMPLETT EINGESTELLT???

...nachdem man jahrelang angekündigt hat, hier die neuen Doppelstock-ICs fahren zu lassen (drei Zugpaare, u.a. bis Gera)? Das kann doch nicht ernsthaft gemeint sein, alle Städte zwischen Hamm und Kassel vom Fernverkehr abzukoppeln, den milliardenschweren neuen Knotenpunkt Erfurt von Westdeutschland (mit der Ausnahme Frankfurt, Bayern mal nicht mitgezählt) zu trennen - und jede Fernverkehrsverbindung zwischen NRW und Nordhessen/Thüringen zu streichen???

BERT
BERT

BERT

Ebene
1
224 / 750
Punkte

Antworten

kabo
kabo

kabo

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

An dieser Strecke zeigt sich mal wieder das Dilemma der Bahnreform: Nämlich der Konkurrenz zwischen (subventioniertem) Nahverkehr und (eigenwirtschaftlichem) Fernverkehr.
Besonders der nordrheinwestfälische Teil der Strecke ist duch schnelle Nahverkehrszüge gut angebunden, so dass zusätzliche Fernverkehrszüge nicht mehr ausreichend wirtschaftlich sind.Die IC/ICE halten auch nicht so viel seltener als die RE-Züge und sind dementsprechend auch nicht viel schneller. Ein Teil der NRW-Nahverkehrszüge wurde sogar bis Kassel durchgebunden, so dass auf der Relation Ruhrgebiet-Kassel (was ja eigentlich Fernverkehr ist) ein durchaus ordentliches Angebot besteht. Ein guter Nahverkehr ist halt der Tod von mittelmäßig attraktivem Fernverkehr.
Es gab (gibt immer noch?) Planungen nach dem niedersächsischen Modell Nah- und Fernverkehr zu kombinieren. D.h. die DB setzt Fernverkehrszüge ein, lässt aber Kunden mit Nahverkehrstickets auch mitfahren und bekommt dafür Subventionen vom Land (welches dadurch Nahverkehrszüge einsparen kann). Für die DB ist das lukrativ, weil dadurch ein subventionierter Fernverkehr entsteht. Aber in NRW ist man auf politischer Ebene diesem Modell nicht so sehr zugeneigt wie in Niedersachsen.

kabo
kabo

kabo

Ebene
4
5000 / 5000
Punkte

Es trifft aber zu, dass sich das Fernverkehsangebot seit 2002 mindestens halbiert hat.
Mitte der 1990er-Jahre wurde der Abschnitt Hamm-Paderborn für teures Geld fernverkehrstauglich ausgebaut, der versprochene Fernverkehr aber nicht langfristig etabliert.
Das hängt aber auch mit der Verschiebung der Reiseströme zusammen.
Zum damaligen Zeitpunkt war die Verbindung Dortmund-Kassel-München schneller als Dortmund-Köln-(Frankfurt/Stuttgart)-München, so dass man glaubte, ein Teil der Reisenden aus NRW Richtung Süddeutschland über Kassel lenken zu können. Mit Eröffnung der Schnellstrecke Köln-Frankfurt hat sich das erledigt.

BERT
BERT

BERT

Ebene
1
224 / 750
Punkte

In der Tat: wenn man weit genug in der Zukunft sucht (ab Juni), findet man wieder eine Direktverbindung Dortmund-Erfurt. Allerdings nur jeweils eine pro Tag und Richtung: Früh am Morgen kann man nach Westen fahren, am späten Nachmittag gen Osten. Noch nicht einmal mehr ein Zugpaar also...

tina2016
tina2016

tina2016

Ebene
2
1958 / 2000
Punkte

Im neuen Fernverkehrskonzept ist IC auf der MDV bis "spätestens 2032" geplant, unter der Voraussetzung der Elektrifizierung der restlichen Teile.

BERT
BERT

BERT

Ebene
1
224 / 750
Punkte

Danke für das PDF mit den Fahrplanänderungen. Leider kennt das Buchungssystem die Direktverbindungen NRW-Thüringen, die es laut diesem PDF zumindest ab Juni (wieder) geben müsste, nur zum Teil. Wenn ich das Dokument richtig lese, müsste es den IC ab Dortmund 10:43 ab Juni wieder geben, im Buchungssystem im Juli oder August ist er nicht zu finden. Den Nachmittagszug 16:43 dagegen kennt das System. In Gegenrichtung findet man den IC ab Erfurt 7:25, nicht aber den IC ab Weimar 15:08 von dem im PDF die Rede ist. Auch der IC 2152, der um 12:01 in Leipzig starten soll (und der laut PDF nach NRW fahren soll, also in Weimar/Erfurt vorbeikommen müsste), ist dem Buchungssystem unbekannt.

Also: bis Juni ist die IC Verbindung NRW-Thüringen faktisch eingestellt, danach soll es laut Buchungssystem einen Zug pro Tag und Richtung geben, laut dem PDF immerhin zwei pro Tag und Richtung. Ziemlich chaotisch, man darf gespannt sein...

An der schmerzlichsten Entscheidung, dem Wegfall der gut genutzten Frühverbindung (ab Dortmund 6:43), wird sich ja wohl nichts mehr ändern. Der Einsatz der RE genannten S-Bahn ohne Steckdosen, Klapptische etc. zu dieser Zeit bis Kassel ist wirklich keine Alternative. Zumal es dort keinen sinnvollen Anschluss nach Osten gibt.

Die Züge IC 2153 und IC 2150 entfallen seit dem Fahrplanwechsel und werden auf der Achse Düsseldorf–Kassel durch RE ersetzt (östlich von Kassel in Richtung Thüringen Entfall ohne Ersatz) - also ist der Zug 15.08 Uhr ab Weimar seit Fahrplanwechsel komplett entfallen.
Zum Zug 10.43 Uhr ab Dortmund: Dieser Zug fährt ab 11. Februar nur noch nach Fulda (Grund sind Bauarbeiten in Thüringen). Der Nachmittagszug um 16.43 Uhr ab Dortmund fährt über Nordhausen statt über Erfurt nach Halle. In der Gegenrichtung fährt der IC 2156 über Nordhausen von Halle nach NRW über Nordhausen, der IC 2152 verkehrt ab 11. Februar nur noch ab Fulda.
Im nächsten Jahr werden die beiden Zugpaare wieder wie zu Anfang des Jahres verkehren. /ki

In Ihrem angegebenen Dokument "Fahrplanänderungen heißt es:
"Im MDV Konzept ab Ende 2018 sind dann aber 3 IC Zugpaare via Jena auf der
MDV geplant, davon ein Zugpaar von/nach Kassel und 3 Zugpaare von/nach Düsseldorf"
Frage: Wieviel durchgehende IC-Zugpaare Jena / Düsseldorfsind damit gemeint?

Hallo PetRohde,

also es fahren laut dem Infoblatt 3 IC-Zugpaare. Ein Zugpaar via Jena von/nach Kassel und 2 Zugpaare von/nach Düsseldorf. Bei Letzterem hat man sich leider mit der Zahl vertan, statt 3 sollte eine 2 dort stehen. /ni

Das langfristige Konzept der MDV wird der Bedeutung der Strecke aus dem Rhein/Ruhrgebiet über mehrere Knotenpunkte (Kassel/Erfurt) in den Osten von Deutschland als IC- Fernverbindung nicht gerecht.
Der Einsatz von RE- Material schränkt den Reisekomfort erheblich ein. Nach der erstmaligen Benutzung der RE- Verbindung von Erfurt über Kassel nach Essen am letzten WE kann ich diese Möglichkeit nur als Provisorium für den Notfall betrachten. Zwei mal 2,5 Stunden auf 4cm Polster ohne Klapptisch absitzen ist keine Alternative mehr zum Auto. Nach Zehn Jahren Regelmäßiger Benutzung der Strecke betrachte ich diese angebotenen „Fernzüge“ unter diesen Bedingungen als nicht benutzbar, zumal bei der ersten (und auch letzten) Benutzung der Verbindung der Anschlusszug in Kassel nicht erreicht wurde. Eine Wartezeit von 3 Min. auf den um 8 Min. Verspäteten Zug aus Erfurt hätte ausgereicht. Die Aussicht nun öfters für diese Strecke 7:15 Stunden statt 4:20 Std. zu benötigen schreckt ab. Von Essen aus ist man mittlerweile schneller in Paris als in Erfurt. Die alternative Verbindung über Frankfurt ist unverhältnismäßig teurer. Früher konnten Bahnbonuspunkte für solche Umwege genutzt werden. Die teuren Fahrten stehen im Bahnbonusprogramm nicht mehr zur Verfügung. Man bekommt hier nur noch Fahrten „geschenkt“, die ohnehin im Angebot sind.
Erwartet hatte ich in den ganzen Jahren eine Verbesserung der Reisesituation auf der MDV z.B. mit dem Einsatz von Zügen mit Neigetechnik auf den Kurvenreichen Strecken ab Paderborn bis Kassel und entlang der Fulda bis Bebra. Stattdessen findet man diese z.B. auf den schnurgeraden Strecken Halle / Erfurt / Frankfurt wieder. Auch ergäbe sich mit einem Ausbau der Strecke zwischen Warburg und Kassel eine lohnenswerte Zeitersparnis mit Anbindung an den Flugplatz Kassel Calden.
Anstatt auf sinkende Passagierzahlen mit dem Abbau des Angebotes zu reagieren sollte man die Bedingungen attraktiver gestalten, um wieder Kunden anzuziehen. Das RRX- Konzept jedenfalls verdient den Namen nicht und sollte nachgebessert werden um die Kunden mittelfristig zu halten bevor die MDV weiter an Bedeutung verliert.
Frage: werden diese Kundenreaktionen an planende Institutionen weiter geleitet oder an wen kann man sich wenden?

BERT
BERT

BERT

Ebene
1
224 / 750
Punkte

@PetRohde: Sie haben so recht - aber ich befürchte, sich in diesem Forum zu beklagen, nützt nichts. Ich bin auch einmal mit dem neuen RE bis Kassel gefahren und tatsächlich: das geht gar nicht. Ich dachte eigentlich mit der Einführung der schwankenden IC2 genannten weißen Doppelstock-REs sei für ein paar Jahre genug Attraktivität der Bahn eingespart, aber es geht immer noch besser. Im neuen ICE4 sind nicht nur die Wagen (und damit die Sitze) schmaler, sondern auch der Sitzabstand geringer, es gibt auch die aus dem IC2 bekannte krankenhausartige Deckenbeleuchtung statt Leselampen. Im letzten ICE Berlin-Köln wird jetzt hinter Hannover das Bordrestaurant geschlossen. Man könnte wirklich glauben, es gibt bei der DB eine geheime Abteilung, die sich jeden Monat ein neues Gimmick ausdenken muss, das das Bahnfahren unattraktiver macht. Der Pofalla wahrscheinlich...