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Unsitte bei neuen Sonderangeboten: Nahverkehr nicht enthalten oder extrem überteuert

Hallo zusammen,

in Zusammenhang mit dem Bild-Ticket, das derzeit unter http://db.bild.de zu buchen ist, möchte ich mich über die Preispolitik der DB beschweren:
Es ist nicht wirklich nachvollziehbar, warum die Nutzung des Nahverkehrs zusätzlich kosten soll. Bisherige Angebote haben lediglich einen Teil der Strecke im Fernverkehr erfordert. Das Angebot in seiner derzeitigen Form ist eine Diskriminierung von Bundesbürgern, die im ländlichen Raum wohnen und denen die DB die Fernverkehrsverbindungen gestrichen hat (z.B. frühere IR-Bahnhöfe) oder die nie an den Fernverkehr angeschlossen waren.
Ist es fair, wenn z.B. ein Fahrgast aus Klais (bei Garmisch) für seine Fahrt unter der Woche nach Stuttgart und zurück knapp 60 € zahlen muss, währen jemand von Basel nach Kiel 45 € zahlen muss?

bpf
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Life isn't fair...

Ich hab mich darüber auch schon aufgeregt. Man hat mir dann erklärt, dass dies mit den Verträgen der DB mit den vielen regionalen Anbietern im Nahverkehr zu tun hat. Wenn die DB-Kunden (Fernverkehr) im Anschluss oder Vorlauf deren Verkehrsmittel nutzen, muss die DB Ausgleichszahlungen leisten. Und das muss dann wohl für jedes Angebot einzeln ausgehandelt werden. (Oder so ähnlich.)

kabo
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Das Problem ist, dass bundesweit immer mehr Nahverkehrszüge von Betreibern gefahren werden, die nicht zur DB gehören. (Selbst wenn die Nahverkehrszüge zu DB Regio gehören, will DB Regio auch etwas von den Einnahmen abhaben.)
D.h. bei jedem Angebot der DB, was Nah- und Fernverkehr enthält, müssen die Einnahmen zwischen DB Fernverkehr und den Betreibern der Nahverkehrszüge aufgeteilt werden - während bei Tickets, die nur im Fernverkehr gültig sind, alle Einnahmen bei DB Fernverkehr bleiben.
Um Ihr Beispiel aufzugreifen:
Bei Basel-Kiel und zurück für 45€ hat DB Fernverkehr 45€ Einnahmen.
Bei Klais-Stuttgart und zurück für 60€ muss DB Fernverkehr geschätzte 25€ für den Nahverkehrsanteil Klais-München an DB-Regio Bayern abgeben. Verbleibende Einnahme bei DB-Fernverkehr: 35€.
Würde man Klais-Stuttgart auch für 45€ anbieten, wären trotzdem 25€ an DB-Regio Bayern abzugeben, so dass DB Fernverkehr nur 20€ Einnahme hätte - da wird es unwirtschaftlich.

bpf
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Wie kann es denn dann sein, dass es bisher sehr wohl möglich war, Sparpreistickets ab 19 € mit Vor- / Nachlauf im Nahverkehr zu verkaufen?

Hallo, das hat nichts mit Diskrimierung zu tun. Es handelt sich ja um ein Angebot vom Fernverkehr. Man kann ja auch zwei getrennte Fahrkarten buchen, dies ist natürlich jedem Kunden selbst überlassen. So könnte man sich also ein Ticket zum Beispiel von Klais zum nächsten Fernbahnhof ein Nahverkehrsticket kaufen und so dann das angesprochene Angebot nutzen. /no

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Zur Frage "Wie kann es denn dann sein, dass es bisher sehr wohl möglich war, Sparpreistickets ab 19 € mit Vor- / Nachlauf im Nahverkehr zu verkaufen?":
Die 19€-Tickets sind ja nur für eine Richtung (nicht Hin+Zurück) und wurden nur für relativ kurze Distanzen verkauft, so dass der Nahverkehrsanteil nicht so fürchterlich hoch sein kann. (Und die Aktion, wo 19€-Tickets auch für lange Strecken verkauft wurden, war auf Verbindungen ohne Nahverkehrsanteil beschränkt.)

Aber es ist kein Geheimnis, dass DB Fernverkehr bei den 19€-Tickets mit Nahverkehrsanteil nur einen niedrigen einstelligen Eurobetrag verdient, wenn der Nachverkehrsvorlauf/-nachlauf nicht minimal ist.

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Nebenbei bemerkt: Bei allgemeinen Dienstleistungen könnte man hier darüber nachdenken, inwiefern EU-Richtlinie 2006/123/EG missachtet wird, genauer Artikel 20 Satz 1:

"Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass dem Dienstleistungsempfänger keine diskriminierenden Anforderungen auferlegt werden, die auf dessen Staatsangehörigkeit oder Wohnsitz beruhen."
http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=C...

Da der Wohnsitz und damit der potenzielle Abfahrtsbahnhof nicht beliebig von einem Individuum gewählt werden können, könnte man schon von einer diskriminierenden Anforderung sprechen, nämlich der, mehr zahlen zu müssen, obwohl in o.g. Beispiel die Strecke deutlich kürzer ist!

Zudem muss man auch ganz klar sagen, dass der allgemeine Kunde davon ausgeht, dass die Deutsche Bahn (als Konzern) die Diensteistung (zum größten Teil) erbringt - dem Kunden ist es dabei egal, ob es sich dabei nun um eine bestimmte Abteilung / Konzerntochter oder was auch immer handelt. Aber daran sieht man, mit welchen Problemen die DB zu kämpfen hat, seitdem sie privatisiert wurde. Diese hypothetische Aufteilung in unterschiedliche Unternehmen hat vielleicht dafür gesorgt, mehr Transparenz zu erhalten - aus Kundensicht ist dadurch aber nichts besser geworden. Vor allem, wenn man den schwarzen Peter immer an "die anderen" weiterschieben kann...

bpf
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Und zur Antwort des DB-Teams: Wie würden Sie es denn bezeichnen, wenn jemand für eine kürzer Strecke mehr bezahlen muss, nur weil er nicht an einem (ständig bedienten) Fernverkehrsbahnhof liegt? Persönliches Pech? Auch wenn die Wikipedia nicht unbedingt eine wissenschaftliche oder juristische Quelle sein soll, so besagt dort schon der erste Satz:

"Diskriminierung bezeichnet eine Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder einzelnen Personen nach Maßgabe bestimmter Wertvorstellungen oder aufgrund unreflektierter, z. T. auch unbewusster Einstellungen, Vorurteile oder emotionaler Assoziationen."
https://de.wikipedia.org/wiki/Diskriminierung

Damit denke ich schon, dass man in diesem Fall von Diskriminierung reden kann.

Dann versuche ich es anhand eine Beispiels zu erläutern. Wenn zum Beispiel Lidl ein besonderes Angebot hat, aber keine Filiale bei Ihnen in der Nähe ist und Sie erst mit dem Zug dahin fahren müssen um das Angebot in Anspruch zu nehmen, dann können Sie nicht von Aldi (was bei Ihnen um die Ecke ist) erwarten, dass es das Angebot auch anbietet. Um das Angebot von Lidl also nutzen zu können, muss entsprechend mehr Geld ausgegeben werden, für eine Fahrkarte zur Lidl-Filiale.
So in etwa ist das auch bei uns. Es handelt sich um ein Angebot vom Fernverkehr. Demnach muss man dann durchaus irgendwo hin fahren, um das Angebot nutzen zu können. Das hat nichts mit Diskriminierung zu tun. /no

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Wie eingangs erwähnt: Ich hab mich auch schon über diese Regelung geärgert. Zumal es bei meiner Stammstrecke ohne App (und die läuft auf meinem Smartphone nicht) unmöglich ist, das Verkehrsverbundsticket für den Anschluss bereits im Voraus zu kaufen.

Aber Diskriminierung ist wirklich was anderes. Die Menschen ohne direkte Fernbahnhof-Anbindung werden ja nicht "nach Maßgabe bestimmter Wertvorstellungen oder aufgrund unreflektierter, z. T. auch unbewusster Einstellungen, Vorurteile oder emotionaler Assoziationen" schlechter behandelt als andere. Sie wohnen halt verkehrt.

Blender28
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...und zahlen dafür sicherlich weniger Miete als ich in Köln. Werde ich jetzt auch diskriminiert?

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@Blender28
Sie werden auf jeden Fall diskriminiert! Köln ist nämlich der Bahnhof mit den meisten Verspätungen.
http://www.ksta.de/koeln/koelner-hauptbahnhof-die-deutsch...

Leo
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Komisch, dass der Sparpreisfinder einen oft über weite Strecken in Regionalzügen fahren lässt, etwas widersprüchlich zu der Argumentation hier...

Es steht auch jedem frei, von der im ländlichen Raum eher besseren Autobahnanbindung Gebrauch zu machen und so mit den Rädern abzustimmen...